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Und ewig wiehert der Amtsschimmel - Schilda ist überall Wer auch immer angenommen hat, Schildbürgerstreiche habe es lediglich im Mittelalter und nur in Schilda gegeben, der muss sich eines Besseren belehren lassen. In der Tradition der sich nicht nur ein wenig, sondern schon außerordentlich trottelig anstellenden Verwaltungsmenschen bemühen sich auch heute nicht gerade wenige, der bekannten Liste weitere Schelmenstreiche hinzuzufügen. Seinerzeit hatte man in Schilda überlegt, dass Salz als sehr wertvoller Stoff in Kriegszeiten knapp werden könnte. Deshalb wurde beschlossen, Salz zu säen – in der Hoffnung, es würde sich später wie der ja ganz ähnlich aussehende Zucker aus den dann spießenden Pflanzen gewinnen lassen. Es wuchsen aber lediglich Brennnessel. Damals sollen sie ein dreieckiges Rathaus mit einem großen Tor, aber ohne Fenster gebaut haben. Als sie merkten, wie dunkel es in den Räumen war, versuchten sie, das fehlende Licht mit Eimern und Körben ins Innere zu tragen. Als das Rathaus an eine andere Stelle verschoben werden sollte, legten sie eine Jacke als Markierung an die richtige Stelle. Weil ein Landstreicher die Jacke mitgenommen hatte, glaubten die Tagträumer, das Rathaus schon zu weit geschoben zu haben. Um die wertvolle Rathausglocke vor dem heranrückenden Feind zu schützen, wurde sie in einem See versteckt. Damit man sie nach dem Ende des Krieges wieder würde finden können, markierten sie die Stelle im See mit einer Kerbe – die sie in den Rand des Bootes schnitten. Nicht viel gescheiter stellen sich manche Vertreter der öffentlichen Hand heute noch an. Über den Namen der Stadt im Harz, in der so ein "Amtsleiter Innere Dienste" und zugleich "Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters" die Tradition aus Schilda in Ehren hält, wollen wir großzügig den Mantel des Schweigens decken. Der entschied jedenfalls die Bitte "abschließend" negativ, statt der quartalsweisen Abbuchung der Abschlagzahlungen für Trink- und Verbrauchswasser die Summe auf einen Schlag abbuchen zu lassen. Während die Umstellung bei der Grundsteuer problemlos möglich gewesen war, sei das bei Verbrauchskosten aus satzungsrechtlichen Gründen nicht möglich. Darin stehe, dass die Kosten in vierteljährlichen Abschlagzahlungen nach Fälligkeit der Beträge zu leisten seien. Vorauszahlungen seien nicht vorgesehen. Verehrter Herr Amtsleiter, ich bitte herzlich um Nachsicht für mein Unverständnis: Meiner Meinung schließt sich ganz offensichtlich der Amtsschimmel an, den ich vom Harz bis hier an den Niederrhein aus voller Inbrunst wiehern höre. Weder die Festlegung in der zwölf Jahre alten Satzung noch die nachgeschobene Begründung, dann müssten Computer umgestellt werden, können vernünftig erklären, warum das in dieser Stadt nicht gehen soll, was in anderen problemlos funktioniert. Oder ob es daran liegt, dass die Stadt derart große finanzielle Polster hat, auf ein solches kostenloses Darlehen eines Bürgers verzichten zu können? In der Beziehung geben sich selbst sonst schwerfällige Versicherungen zeitgemäßer: Die bieten sogar einen Rabatt, wenn jemand für längere Zeiträume bezahlt. Aber Versicherungen und andere Unternehmen stehen ja auch unter Konkurrenzdruck – während Bürger einer Stadt nicht wählen können, woher sie ihr Wasser beziehen, sondern Bürokraten mit ihrem obrigkeitsstaatlichen Imponiergehabe regelrecht ausgeliefert sind.
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