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Stabreim in die Irre: Bänker, Broker und Betrüger Wer denkt, die Aufzählung der drei Stabreim-Begriffe in der Überschrift solle eine steigende Wertung unmoralischen Handelns darstellen, der irrt. Der vermeintliche "Höhepunkt" am Ende kann auch als am wenigsten verwerflich angesehen werden. Die meisten Betrüger gehören zur kleinkriminellen Kreisklasse oder allenfalls zur Liga auf Bundesebene – wenn man von Spitzenreitern wie einem ehemaligen Baulöwen, dem Verkäufer nichtexistierender Tunnelbohrmaschinen oder den Wirecard-Chefs absieht, die zweifelsohne der Weltklasse zugeordnet werden müssen. Bei Brokern handelt es sich um Makler, um Vermittler oder Zwischenhändler von allen möglichen Handelsobjekten. Man könnte auch sagen: Broker sind Dealer – während diejenigen, für die klassischerweise der Begriff gewählt wird, real vorhandenen Stoff kaufen oder verkaufen, handeln Broker nicht nur mit Waren, sondern auch mit "Optionen". In dem Metier dieser "Spieler" wird dann allerdings nicht auf Balltreter oder Galopper gewettet, sondern in moralisch kaum verwerflicher vorstellbarer Weise auf steigende oder sinkende Umsätze von Firmen oder ganzen Branchen, auf positive oder negative Ernteverläufe oder gar um Gewinne oder Verluste bei Kriegen. Im Vergleich dazu gehörten die harmlosen Geldwechsler im Tempel, die in der Bibel so gescholten und letztlich aus dem Haus vertrieben wurden, zur ehrenwertesten Gesellschaft. Schweizer Forscher kamen zu dem Schluss, dass sich Börsenhändler nicht nur deutlich egoistischer und asozialer verhalten als die Normalbevölkerung, sondern sogar auch als Menschen mit gestörtem Persönlichkeitsprofil. Und dann sind da die Banker. Seit Bertold Brecht wissen wir aus der Dreigroschenoper, dass es sich bei Bankraub nur um eine Unternehmung von Dilettanten handelt. Wahre Profis – so Brecht - gründen eine Bank. Der Hintergrund beschreibt die Situation noch ein Stück deutlicher: Im 18. Jahrhundert gab es in London eine gut organisierte Verbrecherbande mit gleich mehreren Abteilungen. Die betrieben einerseits Diebstahl und Raub und boten andererseits den Opfern die Beute zum Wiederkauf an. Wer denkt da nicht nahezu automatisch an moderne Geldinstitute, an Typen, die offene Handwerkerrechnungen über 50 Millionen Euro als "Peanuts" bezeichnen oder an der Spitze eines solchen Instituts eine Million im Jahr einsacken. Nicht bei einer noblen Privatbank, sondern als Sesselpupser in einer öffentlich-rechtlichen "Sparkasse". Auf der einen Seite bekommen Kunden nicht einmal mehr lächerlich geringe Zinsen für ihr Erspartes, sondern bei bestimmten Einlagehöhen sogar Negativzinsen (eine dümmlich-plumpe Umschreibung für Gebühren) aufgebrummt. Auf der anderen Seite reduzieren selbst angeblich kundennahe Einrichtungen ihre Serviceleistungen bei ständig steigenden Kosten. Immer mehr kleine Häuser fusionierten zu größeren Einheiten, während Filialen geschlossen und Personal sowie Service reduziert wurden. Die Kunden können an Automaten (oft nur noch gegen Gebühr) Geld zählen lassen, abheben oder einzahlen. Zugleich wurden Immobilien und Versicherungen angeboten. Wer hätte an eine solche Entwicklung gedacht, als sich Mitte des vorvorigen Jahrhunderts Spar- und Konsumvereine auf Genossenschaftsbasis etablierten und Landwirten, Handwerkern und privaten Häuslebauern erst die Möglichkeit boten, ihre wirtschaftliche Existenz zu erweitern. Mit diesem Raiffeisengedanken haben die Banken, die inzwischen oft auch als "Volksbank" firmieren, kaum noch etwas zu tun.
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