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Soziale Medien sind unsozial und kosten viel Zeit Bei manchen Menschen mag es auch ein wenig an Corona liegen, dass die angeblich sozialen, in Wirklichkeit aber eher unsozialen Medien im Internet einen solchen Zuspruch haben wie derzeit. Die Freizeit wird so gut wie ausschließlich zu Hause verbracht, ein Großteil davon vor dem Fernseher oder dem Computer. Zusätzlich sitzen diejenigen vor Bildschirmen, die "Homeoffice" machen. Dann sind lediglich wenige Tastenanschläge nötig, und man ist mit der Welt nicht nur passiv verbunden, sondern kann sich aktiv mit ihr austauschen. Im Prinzip wären solche Plattformen eine durchaus gute Sache – wenn nicht die vielen feigen Hetzer und Dummschwätzer die Seiten der Internet-Welt für sich entdeckt hätten, die sich hinter abenteuerlichen Pseudos verbergen und aus der Anonymität heraus Gift und Galle spucken und sogar vor Aufrufen von Straftaten nicht zurückschrecken. Knapp über 1000 "Freunden", die man wohl besser als "Facebook- Bekannte" bezeichnen sollte, stehen bei mir nicht viel weniger Nutzer gegenüber, die ich aus unterschiedlichen Gründen gesperrt habe: Mit Nazis möchte ich nichts zu tun haben, auch nicht mit Verschwörungstheoretikern, Corona-Leugnern und anderen ausgewiesenen Dummköpfen. Rund 100 Seiten habe ich blockiert, so dass ich von denen nicht mehr belästigt werden kann. Etwa die Waage halten sich Angebote von angeblich günstigen Krediten - das Spektrum reicht von 3.000 Euro bis zu 25 Millionen mit nahezu beliebig langen Rückzahlungszeiten und angeblich "geringsten" Zinssätzen. Dazu kommen die seltsamsten Ankündigungen von "Geschenken". Zum Beispiel einer schwerkranken und steinreichen alten Dame, die ihr 12-Millionen-Euro-Vermögen noch mit warmer Hand, also zu Lebzeiten, übergeben möchte. Dafür hat sie aus völlig unerfindlichen Gründen ausgerechnet mich auserwählt und verlangt nicht mehr, als dass ich täglich ein "Vater unser" für ihr Seelenheil beten solle – und ihr meine Telefonnummer und die Mailadresse überlasse. Was muss man geraucht oder getrunken haben, um auf eine solche Idee zu kommen – und wie bekloppt sind anscheinend manche, die auf derartige Angebote antworten und sich in dem danach folgenden Austausch von Mitteilungen mit ziemlicher Sicherheit einen Virus einhandeln. Dass es immer noch Dummköpfe gibt, die auf solchen Schwachsinn reinfallen, ist daran zu erkennen, dass dieses "Geschäftsmodell" scheinbar nicht ausstirbt. Andere Angebote richten sich an das vermeintlich starke Geschlecht, das beim Anblick unverhüllter Weiblichkeit leicht schwach wird. Da bedeckt eine besonders Üppige ihre Doppel-D- Oberweite nur so gerade mit ihren Händen und verspricht in der Unterschrift, gerne noch viel mehr zeigen zu wollen. Gegen einen Obolus versteht sich. Interessierte werden zum "Vertragsabschluss" auf Internetseiten gelockt, auf denen mehr Viren zu vermuten sind als seinerzeit in Ischgl unterwegs waren. Vor dem Hintergrund lobe ich mir ein Urteil des Münchner Oberlandesgerichts. Das hat entschieden, dass in Facebook der richtige Name angeben werden muss. Die Zuwiderhandlung ist zwar nicht strafbewehrt, aber Nutzer eines Pseudonyms oder eines Fantasienamens dürfen von Facebook gesperrt werden. Mir würde es gefallen, wenn Facebook danach verfahren würde. Passiert aber leider nicht. Die Gegner der Klarnamen führen vor allem ins Feld, die Verpflichtung würde es erschweren oder sogar unmöglich machen, dass oppositionelle Stimmen in repressiven Regimes ihre Interessen ungefährdet vertreten könnten. Mag für China und einige andere "lupenreine" Demokratien zutreffen – bei uns ist das nur eine Ausrede für persönliche Feigheit. Dabei ließe sich das Problem dadurch entschärfen, dass bei der Anmeldung zu Seiten, auf denen Meinungen geäußert werden können, eine eindeutige Identifikation erfolgt, die für Strafverfolgungsbehörden einzusehen wäre. Möglicherweise zetern dann zwar immer noch einige extremistische Schwurbler – sei es von der linken oder der rechten Seite -, aber das müsste gegengerechnet werden mit dem Umstand, dass sich eine Menge Unflat, Hass und verbale Bedrohung vermeiden ließe.
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