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Präsidentensprache: Wenn Killer Killer Killer nennen Es mag ja durchaus irgendwo auf der Welt eine moralisch derart integre Instanz geben, dass sie vor dem Hintergrund der eigenen Unangreifbarkeit den Präsidenten Russlands einen Killer nennen darf. Mir fällt – nachdem sich die Kirche mit ihren verdeckten Verbrechen und geschützten Verbrechern selbst ins Aus geschossen hat – allerdings gerade keine ein. Was aber nicht heißt, dass ich nicht gerne dazulernen möchte und solche Menschen, Gruppen oder Organisationen kennenlernen würde. Natürlich kann Wladimir Putin bei weitem nicht als der "lupenreine Demokrat" gelten, als den ihn unser "Ha-ha-ha-Hol-mir-mal-'n-Bier"-Bundeskanzler Schröder bezeichnet hat – wenn das denn überhaupt ernst gemeint und nicht einer seiner meist derben Witze war. Oder auch nur eine Art Dankeschön für die erfolgreiche berufliche Wiedereingliederung durch seinen Männerfreund, nachdem seine politische Karriere ein von ihm nicht erwartetes plötzliches Ende genommen hatte. Auf jeden Fall kann man dem russischen Präsidenten in der Person Putins ebenso wie seinen Vorgängern einige Vorwürfe machen. Als Stichwörter mögen die Ukraine und Krim reichen. Zumindest die einigermaßen politisch Interessierten dürften damit etwas anfangen können. Dass Putin den syrischen Präsidenten Assad als angeblich einzigen wahren Bekämpfer des Terrorismus der ISIS durch die russische Luftwaffe unterstützen lässt, rechtfertigt für sich schon die Bezeichnung Killer. Allerdings muss man schauen, wer diesen Killer einen Killer genannt hat: Jo Biden. Der ist amerikanischer Präsident, gerade erst im Amt und hat einen schweren Job, all den Mist unterzugraben, den sein unsäglicher Vorgänger Donald Trump fleißig gestreut hat und den man ohne große Übertreibung den Erfinder und Weltmeister der Fake-News nennen darf. Viele hatten sich von dem Trampel-Trump-Nachfolger zumindest einen moderateren Ton erhofft – wenn auch keine grundsätzlich andere Einstellung in der Sache erwartet. Letzteres hatte sich schon bestätigt: Auch Biden verlangt gegen jede Vernunft den Bau der Gas-Pipeline "Nord-Stream" einzustellen. Dummerweise wird ihm vor allem von amerika-hörigen Politikern bei uns zugestimmt mit dem irren Argument, Deutschland dürfe sich nicht abhängig machen von Russland. Aha. Aber von Amerika? Bei dem jenseits des Atlantiks tief verwurzelten Leitsatz "Amerika first" ist da eine Vertragstreue nicht unbedingt vorauszusetzen. Also in der Sache hat sich seit Trump nichts geändert. Und mit diesem verbalen Griff ins Klo nun auch im Umgangston nicht. Biden twittert seine Unverschämtheiten nicht wie Trump – er sagt sie. Das ist auch nicht besser. Bei einem kleinen Rückblick stellt man schnell fest: In der Reihe der amerikanischen Präsidenten folgte ein Killer dem nächsten. Selbst dem in Deutschland aus unverständlichen Gründen (vermutlich wegen des so rührend gestammelten Satzes "Ich bin ein Berliner") immer noch geradezu angehimmelten John F. Kennedy gebührt der Titel Killer schon wegen der unglaublichen Brutalität, mit der er den Vietnamkrieg betreiben und auch das Nachbarland Kambodscha bombardieren ließ. Als weitere Killer-Aktionen seiner Nachfolger müssen Libyen, Irak und Sudan (mit der Bombardierung einer angeblichen Giftgasfabrik, die sich später als Arzneimittelfabrik herausstellte) aus einer erschreckend langen Liste hervorgehoben werden. In Syrien wüten neben amerikanischen und russischen auch chinesische Killer-Knechte.
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