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Nachtrag zu dem Landrat mit der Note “ungenügend” Wenn es denn noch eines weiteren Beweises für die Unfähigkeit des Landrates zur Führung seines Amtes bedurft hätte, so wurde der prompt nachgeliefert: In dem vorigen Text war moniert worden, dass der in Rede stehende Landrat – über den Namen und den Ort wollen wir den Mantel des Schweigens ausbreiten – wenige Tage vor der letzten Kommunalwahl – vier Seiten in der regionalen Tageszeitung hatte erscheinen lassen, die selbst nach Meinung eigener Parteigenossen eher als reine Werbung für ihn denn für den Landkreis wirkte. Der Landrat selbst hatte nach der Wahl zugestanden, dass der zeitliche Zusammenhang der Veröffentlich schlecht ausgesucht und eine frühere Veröffentlichung besser gewesen wäre. Wenig Fingerspitzengefühl bewies er zudem in einem anderen Fall. Er baut derzeit ein Haus in seiner Heimatstadt, die zugleich sein Amtssitz ist. In dem Villenviertel sieht der Bebauungsplan ausschließlich eingeschossige Bauweise vor. Für sein Haus hat sich der Landrat – zum Ärger der Nachbarn - eine Befreiung für zwei Geschosse geben lassen. Und das von der Behörde für die oberste Bauaufsicht, der er als oberster Dienstherr vorsteht. Natürlich – so betont er – habe er auf die Erteilung der Befreiung keinen Einfluss genommen.  Jetzt hat sich der Landrat – vielleicht nicht als Person, aber zumindest als Behörde – einen neuen Knaller geleistet. Nach der Anzeige einer Bürgerin hatte das zuständige Amtsgericht eine Hausdurchsuchung angeordnet. Bei dem Delikt handelte es sich nicht etwa um ein solches der Bandenkriminalität oder ein ähnlich verwerfliches Verbrechen, sondern um "eine unerlaubte Aufnahme von Wildtieren". Deshalb erschienen Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde und des Veterinäramtes vor der Haustüre von Mitarbeitern einer ehrenamtlichen Organisation, die sich im Tierschutz engagiert. Der Kreisvorsitzende eines Organisation für Umwelt und Naturschutz stellt die Frage in den Raum, ob in Zukunft jeder ehrenamtliche Mitarbeiter einer Tierschutzorganisation, der ein verletztes oder geschwächtes Wildtier – egal ob Vogel oder Kleinsäuger – pflegt, eine Hausdurchsuchung fürchten muss. Wobei eine Hausdurchsuchung harmlos ist. Schließlich weist ein Sprecher des Kreises darauf hin, dass im Falle von jagdbaren Wildarten immer auch "der Vorwurf der Wilderei im Raum" stehe. Was auch immer genau mit dem Satz gemeint ist: "Wilderei" hört sich gefährlich an, hat was mit Waffen zu tun. Nicht, dass beim nächsten Mal gleich ein SEK heranrast oder sogar die GSG 9 der Bundespolizei eingeflogen wird. Einerseits ist derlei Angst verständlich. Andererseits aber vielleicht auch etwas übertrieben. Schließlich handelt es sich bei dem Verantwortlichen für die Untere Naturschutzbehörde und dem für das Veterinäramt um ein und dieselbe Person: Die Untere Naturschutzbehörde ist ebenso wie das Veterinäramt beim Kreis angesiedelt. Chef der Kreisverwaltung ist der Landrat. Und der hat schließlich den Beweis angetreten, dass er sehr nachsichtig bei der Verfolgung von Verfehlungen sein kann. Jedenfalls dann, wenn es ihn selbst betrifft. Leider kann man dem promovierten Juristen keine andere Note als "ungenügend" zuweisen: Das ist schon die schlechteste, die das System in unseren Schulen vorsieht. Wenn man ihn denn unbedingt benoten soll, dann kann das nur ein "völlig untauglich für den Job" sein.
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