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Landräte mit Noten von “sehr gut” bis “ungenügend” Zugegeben, die Bewertung ist keinesfalls repräsentativ, sondern höchst subjektiv. Deshalb findet sie auch ohne Namen statt. Wenn jemand dennoch meint, einen der Beschriebenen zu erkennen, dann darf er stolz auf sich sein. Ein kurzes Vorwort zum Landrat ganz allgemein: Der steht als untere Mittelbehörde über den Gemeinden eines Landkreises, selbst aber nicht unmittelbar unter der obersten Landesbehörde. Da ist noch das Regierungspräsidium als Landesmittelbehörde zur Versorgung zusätzlicher beamteter Sesselfurzer (den Begriff prägte Oskar Lafontaine) eingerichtet. Fangen wir mit dem Einser-Landrat an. Der bekommt von mir diese bestmögliche Note - obwohl er Jurist ist -, weil er sich mit einem Hotspot in seinem Beritt gleich zu Beginn der Coronapandemie zu deren Bewältigung besonders ins Zeug geworfen hatte und eine angenehme Abwechslung im täglichen Einerlei der Köpfe von völlig überforderten Dummschwätzern bot. Ein wenig erinnerte er an den jungen Helmut Schmid, der sich bei der Flutkatastrophe im Hamburg einen Deibel um Zuständigkeiten gekümmert hatte, sondern half und helfen ließ. Der zweite Landrat in unserer Reihe (zuvor kaufmännischer Angestellter und Landwirt im Nebenerwerb) ist anders als der Corona-Landrat nicht nur deutschlandweit bekannt, sondern deutlich darüber hinaus. Und das kam daher, dass er als regional zuständiger Provinzfürst die Ehre hatte, nicht nur die Kanzlerin, sondern sogar den amerikanischen Präsidenten bei einer großen Veranstaltung auf seinem Territorium begrüßen zu dürfen. Präsident war seinerzeit der eher kleine und zierliche Vorgänger des inzwischen zum Glück abgewählten Unsympathen. Der Landrat dagegen ist erstens groß und zweitens durchaus kraftvoll gebaut, um es dezent zu umschreiben. Zudem spricht der den Dialekt seiner Heimat in besonders ausgeprägter Form und trägt die in seinem Gau übliche Tracht, wozu ein "Hiatl" mit Gamsbart drauf gehört. Das macht den Kerl noch imposanter. Möglicherweise lag es ein wenig auch an diesen Begleitumständen, dass der amerikanische Präsident bei der Begrüßung einen tiefen Diener vor diesem Eingeborenen machte. In den Genuss eines solchen Erlebnisses kommen nicht viele Landräte. Im Zusammenspiel mit einer anderen Großkopfete hat dieser Landrat allerdings seine Note versaut. In seinem Beritt hält sich seit Jahren ein ausländischer Potentat (Schätzungen seines Vermögens gehen von 30 bis 70 Milliarden aus) mitsamt seinem Harem und anderen Hofschranzen in einem Hotel auf. Weil das unter Corona-Bedingungen nicht zulässig war, wurde das Gebäude verwaltungstechnisch kurzerhand in ein Miethaus umgewandelt. Das drückt in unserer Bewertung die Note um mindestens zweieinhalb Stufen auf befriedigend minus. Der Landrat, dem wir mit einem glatten Ungenügend die schlechteste Note zuweisen, ist dabei nicht nur einfacher Jurist, sondern sogar ein promovierter. Das konnte ihn nicht davon abhalten, wenige Tage vor der vorigen Wahl auf Kosten des Landkreises vier Seiten in der Tageszeitung seiner Region zu schalten, die selbst nach Meinung etlicher Parteifreunde eine reine Werbung für ihn als Landrat waren. Die anschließende Erklärung von ihm, dass der zeitliche Zusammenhang mit der Wahl vielleicht schlecht ausgesucht und ein früheres Erscheinen besser gewesen sei, zeigt wenig Verständnis für das grundsätzliche Dilemma. Dass der Landrat in der Beziehung sogar noch deutlich darüber hinaus gehende Probleme in der objektiven Wahrnehmung von "unschönen" Situationen hat, zeigt sich an einem anderen Beispiel. Er baut derzeit ein Haus in seiner Kreisstadt in einem ausgesprochen vornehmen Villenviertel, in dem der Bauplan ausschließlich eingeschossige Bebauung vorsieht. Für seinen Bau hat sich der Landrat eine Befreiung für zwei Geschosse geben lassen. Von der Behörde für die oberste Bauaufsicht, der er als oberster Dienstherr vorsteht. Natürlich – so betont er – habe er auf die Erteilung der Befreiung keinen Einfluss genommen. Aber selbst dann, wenn die "Untertanen" in vorauseilendem Gehorsam die Sonderlocke des Oberchefs durchgewunken haben, hätte ein vernünftiger Mensch den Stein gar nicht erst ins Wasser geworfen. Nun schlagen die Wellen hoch. Setzen, Herr Landrat, ungenügend.
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