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Kirchenrecht – ein Relikt aus dem vorigen Jahrtausend Niemand kann etwas dagegen haben, wenn Religionsgemeinschaften für den Ablauf innerhalb ihres Vereins eigene Regeln aufstellen. Aber alles das – ausnahmslos alles – muss sich zwingend innerhalb unseres Rechtssystems bewegen. Aus aktuellem Anlass steht derzeit die katholische Kirche mal wieder in der Kritik – und da vor allem der Kölner Erzbischof Wölki. Im Mittelpunkt einerseits ein ebenso undurchsichtiges wie unwürdiges Geschachere um ein von Rainer Maria Kardinal Wölki in Auftrag gegebenes Gutachten. Dabei ist es eine innerkirchliche Angelegenheit, ob das Gutachten nun veröffentlicht oder erst ein Gegengutachten abgewartet werden soll. Was keineswegs innerhalb der Kirche abgehandelt werden darf, das ist allerdings das Verhalten von Wölki (und möglicherweise von anderen "Würdenträgern") im Zusammenhang mit "Dienern Gottes", die sich an Kindern vergangen hatten. Solche Verbrecher übelster Sorte einfach nur an eine andere Stelle zu versetzen, statt sie der Staatsanwaltschaft zu melden, ist nicht zu dulden, sondern muss seinerseits als Straftat abgeurteilt werden. Allein die Formulierung, die seinerzeit berichtet wurde, dass Papst Franziskus das "päpstliche Geheimnis" abgeschafft hat, unterstreicht die unglaubliche Arroganz: Die Aussagen in Kirchenprozessen sollen in Zukunft auch an zivile Behörden gehen. Geradeso, als würde die Kirche damit eine Gnade erweisen. Kirchenprozesse sind ein Relikt aus dem Mittelalter. Wieso stehen Kirchen außerhalb des Vereinsrechts eigene Rechte überhaupt zu? Einzig und allein die staatliche Justiz hat Herrin von Strafverfahren zu sein. Nicht bloß im Zusammenhang mit all dem, was perverse Schweine in Soutane oder Ornat mit Kindern angestellt haben, sondern in absolut allen Strafsachen. Jedenfalls immer dann, wenn sich derartige Verbrechen außerhalb des Kirchenstaates ereignet haben. Der Vatikan selbst hat Staatsrang und kann in seinem Gebiet ja durchaus nach seinen Gesetzen verfahren. Aber wieso unterstehen Geistliche, die sich an Kindern vergangen haben, in diesem unserem Lande nicht wie alle anderen Sittlichkeitsverbrecher der weltlichen Gerichtsbarkeit? Juristen, die ja selten um eine Begründung für zusätzliche Arbeit (und Einnahmen) verlegen sind, begründen das damit, dass früher das Personalitätsprinzip in der Rechtsprechung galt. Bei diesem Schwachsinn aus vorigen Jahrhunderten konnten Angehörige bestimmter Schichten und Körperschaften ihre Mitglieder nach eigenem Recht bestrafen. Dadurch ließen sich zum Beispiel Angehörige höherer Stände anders rechtlich verfolgen als solche niederer Stände. Und es konnte zwischen Bürgern und nicht am Ort Ansässigen unterschieden werden. Aus diesen überholten Rechtsprinzipien aus Feudalzeit wird ebenfalls das Kirchenrecht abgeleitet. Das Personalitätsprinzip wurde erst schrittweise vom Territorialprinzip abgelöst. Zum Teil jedenfalls. Aber eben dann nicht, wenn es um die Kirchen ging. Die haben sich – entgegen jeder Vernunft - in vielen Fällen ihre eigene Gerichtsbarkeit bewahrt. Die Durchsetzung von Recht und Gesetz gehört in die Hand des Staats und von sonst niemandem. Immer dann, wenn es um Straftatbestände geht, darf kein Zweifel daran bestehen, dass hier ausschließlich unsere staatlichen Gesetze zu gelten haben und dass deren Durchsetzung das Monopol des Staates ist. Vor allem von Rechtsaußen, aber auch von anderen religiös Verknöcherten wird in diesem Zusammenhang immer wieder auf den Koran und die Scharia verwiesen. Während es sich beim Koran sozusagen um die Bibel des Islam handelt, ist die Scharia ein Regelwerk. Dabei wird von den Kritikern der Scharia oft unterschlagen, dass gegen deren Anwendung innerhalb der Glaubensgemeinschaft nichts zu sagen ist. Allerdings muss die Geltung zwingend ein Ende da finden, wo die Regeln der Scharia mit den rechtlichen Grundvorstellungen Deutschlands nicht vereinbar sind.
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