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Die Gemeinde plant, wie es dümmer nicht geht Auch in diesem Beitrag wollen wir über den Namen des Dorfes den Mantel des Schweigens decken. Nicht aus Feigheit – einer gepflegten Auseinandersetzung würde ich nie aus dem Weg gehen -, sondern weil die Erfahrung lehrt, dass es vernünftiger ist. Sonst könnte es wieder passieren, dass sich jemand an der Verwaltungsspitze veranlasst sieht, mich mit einer strafbewehrten Unterlassungserklärung von einer Anwaltskanzlei abzumahnen. So reagierte jedenfalls, auf Kosten der Steuerzahler, dessen Vorgänger im Amt noch kurz vor seinem anrüchigen Wechsel in das Dasein eines Pensionärs mit 57 Jahren. Erstens habe ich kein Interesse daran, dass noch mehr Steuergelder vergeudet werden, und zweitens verbietet mir meine persönliche Sicht auf Juristen jedweder Couleur, deren Umsatz zu steigern. Deshalb belasse ich es bei der Beschreibung des Ortes damit, dass er früher mal ein lebendiges und blühendes Mittelzentrum war, das sich zu einem Schlafdorf umliegender Städte zurückentwickelt hat. Daran haben nicht nur Politik und Verwaltung Schuld, das lag zunächst einmal daran, dass mehrere Firmen aus der Textilindustrie ebenso aus Konjunkturgründen aufgeben mussten wie ein Betrieb der Metallverarbeitung. Allein dadurch entfielen mehr als 2.000 Arbeitsplätze – und es entstanden Industriebrachen. In der Situation war es sicher nicht ganz falsch, auf Einwohnerzuwachs zu setzen und dafür viele Baugebiete auszuweisen und ein fantastisches Schulangebot zu ermöglichen. Ob es geschickt war, den Ortskern mit einem wunderschönen Marktplatz von den Geschäften her ausbluten zu lassen, darf bezweifelt werden. Auch wenn das nicht allein eine Frage der Politik war, so wurde diese Entwicklung dadurch beschleunigt, dass gleich mehrere Märkte an den Ortsrändern angesiedelt wurden. Auf dem Gelände des größten Textilbetriebes richteten sich mehrere Firmen ein – darunter eine Spedition – die für reichlich Lkw-Verkehr sorgen. Ein weiteres Gelände überlies die Gemeinde einem Investor, der unmittelbar neben einer Wohnbebauung eine Monster-Halle hat hochziehen lassen. Da kommt ein Logistikunternehmen rein. Weitere Firmen aus dieser Branche sollen auf der Industriebrache (rund 15 Hektar gleich 150.000 Quadratmeter) ihre Hallen errichten und aktiv werden. Dabei fallen Betriebe dieser Branche weniger durch ordentliche Löhne für Qualitätsarbeit von sich reden als durch Billiglöhne für wenige Aufpasser der in der Hauptsache von Computern organisierten Lagerarbeiten – und durch jede Menge Lkw-Verkehr. Bis dahin ist einzusehen, dass sich manche Entwicklung von der Politik und Verwaltung nicht hätten beeinflussen lassen. Aber was sich im Zusammenhang mit der Ansiedlung derart verkehrsträchtiger Firmen zeigte, das ist eine absolute Unfähigkeit von Politik und Verwaltung: An drei verschiedenen Orten innerhalb des Gemeindeteils sind die Gewerbeobjekte teils schon lange in Betrieb, teils gerade gebaut und teils geplant (das größte Areal) und vor kurz Baubeginn – jetzt endlich will man sich im Rahmen eines Verkehrsleitplanes Gedanken darüber machen, wie bis zu insgesamt 2000 Lkw so von den an falschen Stellen platzierten Hallen zu den Autobahnen geleitet werden können, dass möglichst wenige Einwohner belästigt und gefährdet werden. Muss man weder Anhänger der Grünen sein noch ein Sozialdemokrat und natürlich auch kein Vertreter der Mehrheitsparteien: Es reicht der ganz normale Menschenverstand für die Einsicht, dass derlei Planung an Dummheit nur schwer zu übertreffen ist. Oder würde irgendjemand einen Architekten mit der Hausplanung beauftragen, der zuerst das Dach herstellen lassen will – um dann erst zu überlegen, wo und wie die Wände darunter vernünftigerweise gemauert werden?
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