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Die Freunde der Gesellschaft zur Pflege des Verbrechens Es war einmal eine Zeit, da mündeten Untersuchungen von Staatsanwaltschaften in die Eröffnung eines Gerichtsverfahrens. Jedenfalls dann, wenn erhebliche Umstände für das Vorliegen einer Straftat sprachen. Das war erstens unangenehm für die Täter, weil sie dann bestraft werden konnten – und zweitens arbeitsintensiv für das Gericht, wenn eine Begründung für das Urteil umfangreich begründet werden musste. Von einem Urteil konnte man vielleicht gerade noch sprechen, als zum Beispiel ein ehemaliger Balltreter aus dem Bundesliga-Zirkus sein Spielen vom Rasenfeld auf den internationalen Geldmarkt verlegt, bei Transaktionen im dreistelligen Millionen-Euro- Bereich ordentliche Gewinne gemacht und die Gelder auf einem Schweizer Nummernkonto geparkt hatte. Verurteilt wurde der Ex-Sportler wegen Steuerhinterziehung von 28,5 Millionen Euro zu absolut läppischen dreieinhalb Jahren – ein förmliches Urteil zwar, aber eins, bei dem selbst die Putzfrau des Gerichtssaals mit den Augen gerollt haben dürfte. Vor allem, als der Steuerverbrecher später nach der Hälfte der Haftzeit entlassen wurde – und er für viele immer noch als grandioser Vereins-Unternehmens-Chef und wohltätiger Messias galt. Daneben liest man immer öfter von Verfahren, die nicht mit einem Urteil enden, sondern mit einem sogenannten "Deal": Vornehm in edles Talar-Tuch gewandete Juristen handeln wie auf einem Basar die "Strafe" so aus, dass gegen Zahlung einer Geldleistung die eine Partei von unangenehmer Arbeit verschont und die andere mit einem kurzen Entzug der Freiheit, nicht selten sogar gegen Bewährung, belegt wird. Acht von zehn Wirtschaftsprozessen werden inzwischen auf diese Weise beendet. Ein früherer Arbeitsdirektor, dessen Name mit dem umgangssprachlichen Begriff für Arbeitslosengeld II untrennbar verbunden ist hat sich seinerzeit auf ein Geständnis eingelassen, weil ihm im Gegenzug zwei Jahre Freiheitsstrafe angeboten wurden, die eine Aussetzung zur Bewährung ermöglichten. Es gibt umfangreiche Arbeiten zu dem Thema, wie derlei Deals das Rechtsgefühl zerstören. Jetzt scheint sich eine dritte Lösung zu verbreiten: Die Untersuchungen werden so gründlich – sprich: zeitintensiv - vorbereitet, dass zu dem Zeitpunkt, wo ein Verfahren endlich eröffnet werden könnte, die zur Rede stehenden Delikte verjährt sind. Den Trick beherrschen nicht nur deutsche Strafermittlungsbehörden, sondern auch andere Einrichtungen, die sich anmaßen, für Recht und Ordnung zu sorgen. Zum Beispiel die katholische Kirche. Die hat in der Vergangenheit gleich reihenweise sexuelle Verbrecher unter ihren Geistlichen nicht unmittelbar den zuständigen Ermittlungsbehörden für ein ordentliches Strafverfahren übergeben, sondern die Täter lediglich an andere Einsatzorte versetzt, wo sie dann zum Teil ihr Unwesen weiter getrieben haben. Und auch die Fifa-Ethikkommission (allein die Wortkombination Fifa und Ethik entbehrt nicht einer ordentlichen Portion Komik) sieht sämtliche zwielichtigen Handlungen der deutschen WM-Macher im Zusammenhang mit einer ungeklärten Millionenzahlung beim sogenannten Sommermärchen der Fußball-WM 2006 als verjährt an. Jetzt steht weiteren öffentlichen Auftritten der früher als Kaiser hoffierten "Lichtgestalt" eigentlich nichts mehr im Weg – vorausgesetzt er hat sich mit seinem Verhalten noch nicht bei allen den letzten Rest an Zuneigung und Respekt verdorben. Vielleicht ließe sich für all die zwielichtigen Figuren und Organisation über Branchen-, Länder- und Religionsgrenzen hinweg eine Interessenvertretung installieren. Ein passender Name steht schon oben als Überschrift.
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