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Deutsche Post und Service sind verschiedene Welten Auch wenn das Lied aus dem Vogelhändler der Postkutschenzeit heute nicht mehr zum allgemein bekannten Musikgut gehört – an der Wahrheit des Satzes hat sich nichts geändert: Denn bei der Post geht's nicht so schnell. Dafür gab und gibt es immer wieder aktuelle Beispiele. So, als seinerzeit die Briefe (jedenfalls hier im Postamt) offensichtlich von Legasthenikern in die Postfächer sortiert wurden. Es gab Tage, da landeten bei mir mehr Sendungen für andere als für mich. Ein Dutzend Beschwerden – beim Schalterbeamten, beim Amtsleiter, beim Behördenvorstand bis zum allerhöchsten Chef (der, wegen Steuerhinterziehung vorbestraft, jetzt auf rund 20 Millionen ausgezahlte Pensionsansprüche abwechselnd in London und im Castello di Tenno am Gardasee thront) – hatten so gut wie keine Auswirkungen. Zwar zeigte einmal ein Blick hinter die Kulissen, dass auf der Rückseite des großen Postfach-Schrankes an meinem Fach ein Schild befestigt war: "Achtung, Beschwerdeführer, nach Verteilung erneut kontrollieren." Aber damit bewies der dafür verantwortliche uniformierte Depp, dass er nichts, aber auch gar nichts verstanden hatte. Meine Beschwerden sollten verhindern, dass Briefe für mich in fremden Fächern landeten. Er ließ aber lediglich so kontrollieren, dass keine fremde Post in meinem Fach landete. In meiner Wut über eine derartige Dummheit habe ich dem obersten Chef vorgeschlagen, in der Mitte des Schalterraumes eine Art Grabbelkiste aufzustellen, alle Post da hinein zu kippen und jeden das raussuchen zu lassen, was für ihn war. Eine Antwort auf meinen – zugegeben nicht herausragend freundlich formulierten – "Verbesserungsvorschlag" habe ich bis heute nicht erhalten. Das Postfach habe ich immer noch. Seinerzeit kostete es eine Mark im Monat, vor einigen Jahren wurde es kostenlos (sic!), dann setzten die Postler den Preis auf etwas über 20 Euro im Jahr. Bis zu Beginn des vorigen Jahres. Da stieg er um wenige Cent – um zugleich ein spezielles Angebot zu bewerben: Man konnte sich auf der Internetseite im Post-Shop für den Service anmelden, jeden Morgen per Mail über den Inhalt des Postfachs informiert zu werden. Theoretisch. In der Praxis scheiterte das den ganzen Sommer über daran, dass erst die Seite nicht richtig funktionierte, dann mein Passwort nicht angenommen wurde, obwohl genau nach Vorschrift Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen enthalten waren. Auf die Reklamation hin hieß es wörtlich: "Bitte senden Sie uns zur Prüfung ein Passwort, das nicht funktioniert hat." Wie kann man auf einen solchen Vorschlag anders reagieren, als vollends am Verstand des "Dienstleisters" zu zweifeln? Als der Zugang zu der Seite (nach Beschwerde sogar bei der Konzernleitung) endlich funktionierte, musste mein Antrag noch "verifiziert" werden. Dazu sollte ich einen Brief mit Teil 1 eines Codes an meine Hausadresse und einen zweiten Brief mit Teil 2 des Codes an meine Postfachadresse bekommen. Brief 2 kam, Brief 1 blieb verschollen. Erneute Reklamation. Auf die Frage, warum das so kompliziert sei, kam die Antwort: "Das müssen wir so machen, um sicherzustellen, dass Postfach- und Adresseninhaber identisch sind. Sie bekommen erneut zwei Briefe mit Codes. Einen ans Postfach, den anderen nach Hause." Die waren tatsächlich am nächsten Tag da. Korrekt adressiert. Einer mit meiner Postfachadresse, einer mit der Hausadresse – und dieser zusätzlich mit dem Hinweis auf dem Umschlag versehen: Bitte nicht ins Postfach einlegen! Das "nicht" besonders fett gedruckt. Fast überflüssig zu erwähnen: Beide Briefe lagen im Postfach. Schon wenige Tage später informierte morgens die erste Mail darüber, dass zwei Briefe im Postfach liegen würden. Das war auch so. In den nächsten drei Tagen keine Mail. Bei einem Kontrollbesuch lagen trotzdem mehrere Briefe im Fach. Dann kam keine Mail, und es war auch nichts im Postfach. Dafür lag nachmittags ein Brief im Briefkasten neben der Haustür. Heute kam keine Mail, aber es lag ein Brief im Postfach. Samstag kam eine Mail, aber weder an dem Tag noch am Montag war ein Brief im Fach. Die Ergebnisse ähneln verblüffend der Trefferquote beim Kaffeesatzlesen. Frage: Wie beschreibt man derartiges Verhalten in Arbeitszeugnissen? Antwort: Sie (die Deutsche Post) hat sich stets bemüht. In der Übersetzung heißt das: Finger weg von der Bewerberin, sie ist das Geld nicht wert.
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