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Der Sprach-Blödsinn überschreitet alle Grenzen Auch weiterhin werde ich – allen Reinlichkeitsfetischisten der angeblich politisch korrekten Sprache zum Trotz - immer dann ein Zigeunerschnitzel bestellen, wenn ich Lust auf ein saftiges Stück in der Pfanne gebratenes Fleisch mit einer pikanten Soße habe aus unter anderem Paprika, Zwiebeln und Tomaten. Warum auch nicht? Dabei bin ich ebenso sicher, dass keinem Angehörigen der Sinti oder Roma deshalb Leid zugefügt wurde, wie ich davon ausgehe, dass für ein Jägerschnitzel der Welt kein Waidmann sein Leben lassen musste, wie ich beim Biss in einen Hamburger lediglich Teig schmecke und wie Frankfurter oder Wiener vielleicht alles mögliche Fleischige enthalten, aber ganz sicher keine Teile von Einwohnern der beiden Städte. Für meine Begriffe handelt es sich dabei um gewachsene Ausdrücke, die nun von einigen mit aller Gewalt geändert werden sollen. Jedenfalls nach dem Willen selbsternannter Sprachpolizisten. Während manche Betroffene sich gleichzeitig vehement gegen derlei Sprachhygiene wenden, so verwahrt sich zum Beispiel die Sinti-Allianz Deutschland e. V. eindeutig gegen eine Ächtung des über eineinhalb Jahrtausende alten Begriffes "Zigeuner".   Dabei wird die Liste der Absurditäten immer länger. Der deutsche Mohrenkopf ist verpönt, während die österreichischen Versionen als Indianerkrapfen und Schwedenbombe weniger in der Kritik stehen, obwohl sie sich für Fanatiker einer sauberen Sprache auch nicht unbedingt ganz korrekt anhören können. Neger geht gar nicht mehr, aber ob "dunkel pigmentierte Zentralafrikaner" sich durchsetzen wird, darf durchaus bezweifelt werden. Dass sich derlei Schwachsinn noch deutlich steigern lässt, wird gerade aus Großbritannien berichtet. Und zwar nicht aus den Lebensbereichen irgendwelcher unterbelichteter Arbeiterviertel, sondern aus: Achtung: den Universitätskliniken Brighton und Sussex. Hebammen sollen mit Rücksicht auf Transsexuelle auf Geburtsstationen nur noch geschlechtsneutrale Begriffe verwenden. Da heißt es dann nicht mehr Muttermilch (Breastmilk), sondern Milch vom Menschen (Human Milk) oder "Milch vom stillenden Elternteil". Aus "die Brust geben" (Breastfeeding) wird "den Oberkörper geben" (Chestfeeding). Die Mutter wird zum gebärenden Elternteil, der Vater zum Co-Elternteil. Bei allem Respekt vor den allerallermeisten Engländern: Wer kann es da noch jemandem verdenken, wenn ihm in dem Zusammenhang der Begriff Insel-Affen einfällt? Allerdings stehen die Engländer mit dem Blödsinn nicht allein: An einer australischen Universität sollen "Mutter" und "Vater" durch geschlechtsneutrale Begriffe ersetzt werden. Die Mutter wird zum "austragenden Elternteil", der Vater zum "nicht gebärenden Elternteil". Wie es in einem Kommentar so trefflich heißt, wird dann die Oma der Mutter zur "Vorfahrin des austragenden Elternteils", der Opa zum "Vorfahr des nicht gebärenden Elternteils". Achja, bevor jetzt wieder die üblichen Verdächtigen mit ihren Vermutungen angewackelt kommen und behaupten, bei derlei Stuss handele es sich um "typische Ergüsse links-grün Versiffter": In Australien regiert eine rechtskonservative Koalition.   In dem Zusammenhang: Sind nicht auch die Wörter lesbisch und schwul irgendwie negativ besetzt? Warum greift man da nicht auf eine Ausdrucksweise zurück, die geradezu eine Hochzeit erlebt und chic ist: Jeder kennt jemanden, der eine Intoleranz gegen etwas hat. Gegen Gluten, Fructose, Laktose, Histamin und weiß der Geier, gegen was sonst noch. Warum drückt man es nicht positiv aus: Lesbierinnen haben eine Penisintoleranz und Schwule dementsprechend eine Vaginaintoleranz. Merke: Es gibt durchaus parteiübergreifenden Schwachsinn ohne jede politische Heimat. Ist es eigentlich eine wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis, dass die Corona- Pandemie derzeit das größte Problem der Menschheit darstellt – oder ist es eventuell doch viel eher eine noch nicht genau erforschte Geisteskrankheit, von der in der Hauptsache vermeintlich hochintellektuelle Gehirnakrobaten befallen werden?
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