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Wolfram Weimer - Geisterfahrer in Sachen Kultur Wer gedacht hatte, bei Kulturstaatssekretär Wolfram Weimar sei mit dessen Geschachere um seine Firma schon der Gipfel der Geschmacklosigkeit erreicht, der muss sich eines Besseren belehren lassen. Weimar hüpft schon lange – eigentlich schon immer - mit einer geradezu traumhaften Treffsicherheit von einem Fettnapf in den nächsten. Vielleicht hätte er den Fauxpas, mit seiner „Media Group“ im sogenannten „Ludwig-Erhard-Gipfel“ in Gmund am Tegernsee ein Nebeneinkommen zu generieren, noch einigermaßen überstanden. Das Treffen in der Nähe seines Wohnortes (und des Ferienhauses von Kanzler Merz) sollte Zahlungswilligen bei bis zu 80.000 Euro „Eintritt“ für die Teilnahme Kontakte mit Politikern ermöglichen. Nach harter Kritik gab er die Hälfte des Firmenwertes an einen Treuhänder – die andere Hälfte gehört seiner Ehefrau. Achtung: Die Treffen der Tegernsee-Connection sind nicht verwechseln mit dem Tiroler Gipfel „Moving Mountains 2025“ in einem Luxushotel, zu dem der Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, derzeit der Lebensgefährte von Katharina Reiche, der Bundeswirtschaftsministerin, zusammen mit dem früheren österreichischen Kanzler Sebastian Kurz international Unternehmer, Investoren und Politiker eingeladen hatte. Bei Weimer waren schon lange vorher deutliche Tendenzen zur rechten Seite des Parteien- Spektrums aufgefallen. So sprach er von einer „Multi-Kulti-Lüge“, bei der versucht werde, „mit vielen Döner-Buden, fleißiger Zuwanderung und der Huldigung von Kanak-Deutsch die alten Nationalinstinkte auszutilgen“. „Kanak“ ist die Eigenbezeichnung der Ureinwohner Neukaledoniens, wird in Deutschland umgangssprachlich als Schimpfwort für Menschen aus Südosteuropa, dem Nahen oder Mittleren Osten oder Nordafrika genutzt – abwertend gemeint liegt es etwa auf einer Stufe mit dem Begriff „Neger“. Das Bürgergeld bezeichnete Weimer als Migrantengeld. In seinem Buch „Land unter“, das er selbst im Untertitel „ein Pamphlet zur Lage der Nation“ nennt, bezeichnet Weimer das Coming-out von Karin Wolff, in Hessen nicht nur Staatssekretär wie er jetzt, sondern eine richtige Kultusministerin als Ausdruck einer „politischen Unkultur“ und einen von zahlreichen „symptomatische[n] Kollateralschäden im kollektiven Feldzug gegen das Private“. Schon in seiner Zeit als Verleger hatte er ein sehr spezielles Verhältnis zur Ehrlichkeit an den Tag gelegt: Als er das Medium „The European“ verlegte, waren da zahlreiche Texte von Prominenten abgedruckt worden, ohne dass deren Zustimmung eingeholt worden war – so unter anderem von Hans-Georg Maaßen und fast 100 Beiträge von Alice Weidel. Und jetzt trieb er seine Abneigung gegen Links auf die Spitze: Aus der Preisträgerliste des Deutschen Buchhandlungspreises ließ Weimer drei von ihm als links bezeichnete Buchhandlungen streichen – angeblich wegen „verfassungsschutzrechtlicher Erkenntnisse“. Die Berliner Buchhandlung „Zur schwankenden Weltkugel“ lässt sich das nicht gefallen und klagt vor dem Verwaltungsgericht, vom Kulturstaatsminister nicht mehr „politische Extremisten“ genannt zu werden. Spätestens jetzt muss Wolfram Weimer einsehen, dass er als Geisterfahrer unterwegs und keinen Tag länger tragbar ist. Der Ansicht sollte Kanzler Merz sich nicht verschließen.
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