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Wie die Union darum bettelt, Opposition zu werden Die Bemühungen der Union, von der Regierungsverantwortung endlich in die Opposition zu kommen, deutete sich schon länger an. Aber jetzt ist es beim besten Willen nicht mehr zu übersehen. Alle Punkte lassen sich gar nicht mehr aufzählen, aber zumindest einige wichtige sollten in Erinnerung gerufen werden. Als einer der Tiefpunkte darf gelten, dass der langjährige Europaabgeordnete aus der Schwesterpartei CSU zwar Spitzenkandidat für die Position als Kommissionspräsident und damit Leiter der obersten EU-Behörde war – aber in Hinterzimmern für dieses Amt eine gelernte Ärztin ausgekungelt wurde. Reichlich Anlass für Kritik an der CDU bieten immer wieder die Dauerfehlbesetzungen auf den Posten an der Spitze von Ministerien. Die Weinkönigin tut sich in ihrem Landwirtschaftsressort derart intensiv durch ihre Nähe zur chemischen Industrie hervor, dass sie in der Sache gleich mehreren Lobbyisten den Job wegzunehmen scheint. Und der seinerzeit mit einem Doktor-Titel der Philosophie (aus Prag) in den Bundestag eingezogene und inzwischen (ohne Doktor) zum Mautminister und Obergeldvernichter aufgestiegene gelernte Lehrer hat nicht nur ein paar Millionen Euro in den Sand gesetzt, sondern gleich ein paar hundert Millionen. Zudem hat er sich durch seine sehr spezielle Sicht über Flüchtlinge hervorgetan: "Das schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese, der über drei Jahre da ist – weil den wirst Du nie wieder abschieben." Die Wahl eines Linken zum Ministerpräsidenten Thüringens war für ihn ein "Tag der Schande für das wiedervereinigte Deutschland". Zuerst lassen die Christdemokraten zu, dass der Bierdeckel-Akrobat, der seinerzeit die Steuererklärungen auf ein paar Quadratzentimetern unterbringen wollte, nach einer Zwischenkarriere als Heuschrecken-Oberst wieder für den Bundestag kandidieren darf. Ok, "nur" im tiefschwarzen Hochsauerland, wo man auch eine dunkle Vogelscheuche aufstellen und wählen lassen könnte – aber immerhin. Und jetzt haben die Langzeit-Bundesregierer – entgegen allen Empfehlungen der Vernünftigen in ihren Kreisen – den gebürtigen Niederrheiner und früheren Schlapphut-Chef als Kandidaten für die Bundestagswahl nominiert. In Suhl konnte er sich mit 37 von 43 Stimmen in einer überwältigenden Mehrheit suhlen. Das ist ein beachtlich furchtbares Ergebnis für jemanden, den selbst nach Meinung des früheren Thüringer Ministerpräsidenten und CDU-Landesvorsitzenden nicht zum Erscheinungsbild der Partei passe. Allerdings insofern ein wenig verständlich, als die Not im Wahlkreis sehr groß war: Der angestammte Kandidat des Wahlkreises hatte die CDU verlassen, als im Zuge der Maskenaffäre die Staatsanwaltschaft wegen Verdachts der Bestechlichkeit gegen ihn ermittelte. Da muss man den gelernten Bankkaufmann und amtierenden Gesundheitsminister schon gar nicht mehr aufzählen, um die ganz offensichtlich sehr massive Bitte der Union zu dokumentieren, sie endlich in die Opposition zu schicken: Der Typ hat den Fortschritt der an Pannen und Pleiten kaum noch zu überbietenden Organisation in Sachen Corona gerade erst kommentiert: Wir haben jetzt jeden vierten Deutschen geimpft, nächste Woche wird es schon jeder fünfte sein . . .
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