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Wie der SPIEGEL Kanzlerkandidat Olaf Scholz exekutiert Dass es vor der Bundestagswahl noch eine brisante Enthüllung geben würde, war zu erwarten. Der Zeitpunkt allerdings verblüfft: Vier Wochen vor dem Wahltermin ist keine Just-in-Time-Lieferung, sondern eher eine Frühgeburt. Das kennt man von dem Hamburger Nachrichtenmagazin anders. Denken wir nur an die die Vorabmeldung am Samstag vor der Landtagswahl 1987, dass der Spiegel am Montag nach der Wahl über eine Verleumdungskampagne gegen Barschels Herausforderer Engholm berichten würde. Prompt sackte der Stimmanteil der CDU von 49 auf 42,6 Prozent. Dabei hatte sich der Spiegel auf die Informationen eines wegen Verleumdung vorbestraften Medienreferenten gestützt, der vom Axel-Springer-Verlag an die Kieler Landesregierung vermittelt worden war. In der Folge dieser Affäre kam es zu dem denkwürdigen „Ehrenwort“ Barschels, nach zwei Wochen zu seinem Rücktritt als Ministerpräsident – und am 11. Oktober zum Auffinden seiner Leiche in der Badewanne eines Luxushotels in Genf. Jetzt wird pro forma dem Hamburger SPD-Bürgermeister Tschentscher unterstellt, er habe als Finanzsenator in einen brisanten Steuerfall um die Hamburger Bank M. M. Warburg eingegriffen. Damals – 2016 - war Scholz noch Bürgermeister. Tschentscher und Scholz hätten die Richtung für eine Entscheidung vorgegeben. Es ging um ein mutmaßliches Geschenk der Stadt an die Bank, die sich mit dubiosen Aktiendeals Steuergutschriften verschafft hatte. Derlei Geschäfte sind unter dem Namen „Cum-Ex“ bekannt und vom Bundesgerichtshof klar als Straftaten bewertet. Der Hinweis der Bank, wenn ihr Handeln als nicht rechtmäßig anerkannt würde, dann stände sie möglicherweise vor dem Aus, hat sich – bislang jedenfalls – noch nicht bewahrheitet: Die Banker mussten nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs zwar 176 Millionen aus der Steuerhinterziehung zurückzahlen – aber selbst das hat sie überlebt. Jetzt fehlt nur noch ein Fortsetzungsbericht, der deutlicher macht, als das bisher geschehen ist, dass Olaf auch in Sachen Wirecard sich an mehr erinnern müsste, als er bislang vor lauter „Erinnerungslücken“ im Untersuchungsausschuss zugegeben hat. Zur Einordnung: Bei Wirecard geht es anders als bei Cum-Ex nicht „um ein paar Milliönchen“ – da scheinen sich gleich mehrere Milliarden aufgelöst zu haben. Der Börsenwert von 23 Milliarden wurde verbrannt, der Schaden der Banken beläuft sich auf 3,2 Milliarden Euro. Aber wie heißt es so schön: Das Geld ist nicht weg, das haben jetzt nur andere. Wie eine Streicheleinheit für den zuvor demaskierten Scholz darf der Vergleich – ebenfalls im Spiegel - empfunden werden, dass die FDP mit dem 32-Fachen an Großspenden gepampert wurde: Die ehemalige Arbeiterpartei konnte lediglich 100.000 Euro verbuchen, während die Partei der angeblich „freien“ Demokraten sich wieder einmal als Vertreter des Großkapitals zeigt: Sie konnte 3.200.000 Euro an Großspenden einsacken.
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