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Wie der Freie-Wähler-Chef seine Chancen versemmelt Hubert Aiwanger („Oiwonger“, wie der Bauer aus dem tiefsten niederbayerischen „Wold“ in seinem an einen Sprachfehler erinnernden und sehr persönlich ausgeprägten Idiom selbst seinen Namen ausspricht) wird von Freunden und Feinden meist nur Hubsi genannt. Parteifreunde, die in der Reihe von Freunden und Feinden die dritte Steigerungsstufe bilden, spielen ebenfalls gerne auf seine hinterwäldlerische Aussprache an und nennen ihn „Opfelsoft“-Hubsi. Hubsi ist stellvertretender Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Bayerns sowie Bundesvorsitzender und Landesvorsitzender der Freien Wähler (FW) in diesem Freistaat. In dem Land haben sich in der Hauptsache Abtrünnige aus der CSU, aber auch Unzufriedene aus den anderen Parteien versammelt, die nicht gleich zu den Öko-Radikalen, den Neo-Kapitalisten oder gar den Braunen wechseln wollten, bei den FW gesammelt. Und die SPD findet in Bayern nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. In diesem sehr speziellen Politik-Biotop hatte Hubsi sich bisher sehr erfreulich abgehoben von den Politikern der etablierten Parteien. Der gelernte Landwirt konnte mit seiner einfachen Sprache viele problematische Zusammenhänge besser darstellen als überkandidelte Gelehrte, konnte sehr oft mit seiner bäuerlichen Schlitzohrigkeit punkten. Dabei strahlte er eine grundsolide Bodenständigkeit aus. Einem solchen Typen würde man jederzeit einen gebrauchten “Troktor“ abkaufen. Oder besser: abgekauft haben. Das ist jetzt anders. Zumindest für diejenigen, die nicht zu den Impfgegnern gehören und sich wenigstens noch Reste eines Gemeinschaftsdenkens bewahrt haben. Die würden von ihm derzeit nämlich nicht einmal mehr eine gebrauchte „Mistgobel“ annehmen. Natürlich kann jeder mit seinem Körper anstellen, was er will: Er kann sich eine Wampe anfressen, dabei qualmen wie ein Schlot und es ist niemandem verboten, sich beim Sturz auf dem Skihang eine Schleife in den Meniskus zu drehen. Aber so berechtigt es ist, das Recht am eigenen Körper zu vertreten: Solches Denken muss zwingend ein Ende finden, wo sich jemand aus purem Trotz und Unverstand zu einem wandelnden Corona-Hotspot verwandelt und andere gefährdet. Es ist gut möglich, dass er mit seiner Schwachsinnäußerung nicht nur seine eigenen politischen Chancen in den Sand gesetzt hat, sondern auch die seiner „Freien Wähler“. Während für sie bisher eher ein Ergebnis knapp über der 5-Prozent-Grenze für den Einzug in den Bundestag geschätzt wurde, könnte der Hubsi-Egoismus die Chancen über Nacht zunichte gemacht haben. Bei der ihm ohne jeden Zweifel zuzugestehenden Bauernschläue könnte er das alles aber auch einkalkuliert haben: Wenn die FW hinter ihrem übersichtlichen Fähnlein (das lediglich in Bayern auf landespolitischer Ebene eine gewisse Rolle spielt) neben den eigenen Anhänger auch die Impfgegner versammeln, dazu aus dem braunen Sumpf noch ein paar nur Angefärbte herüberziehen, dann könnte es für den Einzug in das Hohe Haus des Berliner Bundestags reichen.
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