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Wie Banken die Arbeit auf Kunden abwälzen Im Grunde ist die Sache so einfach, dass man kaum glaubt, darüber nachdenken zu müssen. Zur Zahlung regelmäßig anfallender Beträge gibt es mehrere Möglichkeiten: Ein Dauerauftrag verhindert, dass einmal etwas vergessen wird. Allerdings muss der Zahler bei jeder Änderung des Betrages aktiv werden und den Auftrag aktualisieren. Das lässt sich vermeiden, wenn der Zahlungspflichtige dem Lieferanten einer Sache oder einer Leistung eine Abbuchungsermächtigung erteilt. Das Verfahren ist ebenso praktisch wie sicher – wenn es sich bei seinem Gegenüber um einen koscheren Geschäftspartner handelt, der den erlaubten Zugriff auf das Konto nicht missbraucht. Für den Fall, dass da einmal eine Unregelmäßigkeit passiert – ob absichtlich oder versehentlich sei dahingestellt –, hat der Bankkunde acht Wochen Zeit, einer Abbuchung zu widersprechen. Wenn sich herausstellt, dass eine Firma eine Abbuchungsermächtigung missbräuchlich nutzt, dann kann man diese Aktion sowohl bei dieser Firma als auch der Bank gegenüber widerrufen. Wer allerdings glaubt, damit sei es für die Zukunft getan, der irrt. Wenn der Lieferant auch nur einen einzigen Buchstaben seiner Firmierung ändert, dann führt die Bank die Abbuchung dennoch aus – mit der fadenscheinigen Begründung, genau für solche Fälle habe der Kunde ja acht Wochen Zeit, seine Kontoauszüge zu prüfen und eine eventuelle Rückbuchung zu beauftragen. Die Frage des Bankkunden, warum seine Abbuchungsermächtigung, die ja innerhalb des Computersystems der Bank eine bestimmte „Kennung“ haben dürfte, nicht einfach außer Kraft gesetzt wird, beantwortet die freundliche Bankerin am Telefon mit der selten stimmenden, immer wieder gerne genutzten Ausrede „Das geht nicht.“ Dann führt sie aus: Das könne die Bank nicht leisten, aber dafür habe man ja die Frist von acht Wochen, den Betrag zurückbuchen zu lassen. Und wieder ist ein Arbeitsschritt auf den Kunden abgewälzt: Als hätten die Banken ihre Kunden bisher nicht schon reichlich in Anspruch genommen: Überweisungsformulare selbst ausfüllen oder Zahlungen gar komplett am heimischen Computer veranlassen, Geld am Automaten selbst ziehen oder einzahlen. Die Kunden ersetzen zunehmend die Bankmitarbeiter, jedenfalls die unteren Chargen. Unbehelligt bleiben solche “Spezialisten”, die mit Spekulationsgeschäften eine Art Monopoly spielen und das große Geld für die Banken machen – oder auch verbrennen. Aber vielleicht muss deshalb niemand entlassen werden. Die im Service überflüssigen Kräfte könnten ja in den Kellern der Bankhäuser eingesetzt werden – um die Räume mit den Schließfächern wie scharfe Wachhunde zu umkreisen. Damit da nicht wieder ein Kernbohrer wie in Gelsenkirchen zum Einsatz kommt.
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