franzleomai.de Glossen - Infos - Kommentare
Wenn man denn als Satire alles sagen darf Es geht nicht nur darum, was gesagt oder geschrieben wird, sondern auch darum, von wem es stammt, wer sich äußert. Seinerzeit erregte jemand, den sich anscheinend eine Möchtegern-High-Society als einen ihrer obersten Hofnarren hält, öffentliches Ärgernis bei allen normal denkenden Menschen mit einer Absonderung, die er Gedicht nannte. Darin wurde der Präsident eines Nachbarlandes in einer absolut unglaublichen Art beschimpft: Sackdoof, feige und verklemmt, Ja, Erdogan ist voll und ganz, ist Erdogan, der Präsident. ein Präsident mit kleinem Schwanz. Sein Gelöt stinkt schlimm nach Döner, Jeden Türken hört man flöten, selbst ein Schweinefurz riecht schöner. die dumme Sau hat Schrumpelklöten Er ist der Mann, der Mädchen schlägt Von Ankara bis Istanbul und dabei Gummimasken trägt. weiß jeder, dieser Mann ist schwul, Am liebsten mag er Ziegen ficken pervers, verlaust und zoophil - und Minderheiten unterdrücken, Recep Fritzl Priklopil. Kurden treten, Christen hauen Sein Kopf so leer wie seine Eier, und dabei Kinderpornos schauen. der Star auf jeder Gangbang-Feier. Und selbst abends heißts statt schlafen, Bis der Schwanz beim Pinkeln brennt, Fellatio mit hundert Schafen. das ist Recep Erdogan, der türkische Präsident. Ein Teil der Wolkenschieber in den Feuilletonstuben der Republik hielt (und hält) die Zeilen des verbalen Anal-Erotikers für Satire, also für Kunst, der diese geschmacklose Freiheit zustehe. Unter den Beifall-Klatschern auch der damalige (und leider immer noch) Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Vereins. Selbst die Kanzlerin distanzierte sich später von ihrer zunächst geäußerten und absolut vernünftigen Kritik. Jetzt gab es wieder einen "Satire"-Fall. Dabei ist es wahrlich nicht so, dass ich den ehemals obersten Schlapphutträger der Nation auch nur ansatzweise in Schutz nehmen und ihm Sinn für Satire zugestehen möchte. Im Gegenteil: Ich halte ihn für den mit weitem Abstand widerlichsten Mönchengladbacher seit dem damaligen Sportpalast-Schreihals. Ausgerechnet dieser Bundestagskandidat (für die CDU in Süd-Thüringen) hatte die Anfangsbuchstaben von Annalena Charlotte Alma Baerbock zu dem Kürzel ACAB zusammengezogen. Und diese Buchstabenkombination steht für den Satz "All Cops Are Bastards" – sinngemäß: alle Bullen sind Schweine. Das habe er ironisch gemeint. Ob er den aktuellen Clou auch ironisch gemeint hat, ist bislang nicht zu erkennen: Er möchte, dass Fernsehredakteure auf ihre („rechts“-staatliche) Gesinnung geprüft werden. Da kann er von Glück sagen, dass die CDU für ihre Bundestagskandidaten eine solche genaue Gesinnungsprüfung nicht fordert. Bislang jedenfalls (leider) nicht. Für den Fall, dass sich irgendein schmieriger Winkeladvokat schon seine Hände reibt, weil er den Göbbels-Vergleich für justitiabel hält und für den CDU-Rechtsaußen ein ordentliches Schmerzensgeld herbeiklagen will, erkläre ich hiermit an Eides statt, dass ich das alles selbstverständlich ironisch gemeint habe – dass ich es aber gar nicht bedaure, wenn jemand auf meine Provokationen hereingefallen ist und sie für bare Münze genommen hat. Wahr ist: lieber weltoffener Ökosozialismus als antijüdischer Nationalsozialismus.
franzleomai.de Glossen - Infos - Kommentare Inhalt