franzleomai.de Glossen - Infos - Kommentare
Wenn jemand nur die amerikanischen Soldaten betrauert Man fasst es nicht: Da nimmt ein Bekannter in dem angeblich unsozialen Medium Facebook Abschied von den 13 amerikanischen Soldaten, die ein verbrecherischer Selbstmordattentäter am Kabuler Flughafen in die Luft gesprengt hat. Die Liste mit Namen, Dienstgrad und Alter der Toten kommentiert er, der einmal selbst Soldat war: „Ich verneige mich vor Kameraden! Ein letzter soldatischer Gruß! RIP.“ Nicht nur in diesem Fall erweist sich nicht das Medium als unsozial, sondern einer von denen, die es mit einem derart unglaublichen Kommentar befüllen, dass jemand nur seinen Ex-Kollegen ein „Ruhe in Frieden“ wünscht. Gerade so, als hätten die 13 allein ihr Leben lassen müssen. Nicht ein einziges Wort zu den weit über 150 Toten, die bei der Detonation auch sterben mussten. Zählen für einen ehemaligen Uniformträger nur andere Uniformierte? Zählen „normale“ Menschen nichts? Auch diese Menschen, egal welcher Herkunft, welchen Standes und welchen Glaubens, haben Familien und Angehörige, die um sie trauern! Oder liegt es daran, dass es sich bei den allermeisten um Einheimische gehandelt haben dürfte, um Afghanen also, die zu 99,9 Prozent dem islamischen Glauben angehören und den sehr konservativ auslegen? Ist es wirklich mit dem christlichen Glauben zu vereinbaren, derartige Unterschiede zu machen zwischen uniformierten und bewaffneten Vertretern eines Staates, der als selbsternannte Weltpolizei anderen Ländern die angeblichen Werte des Westens mit Waffengewalt aufzwingen will, und solchen Menschen, die nichts anderes getan haben, als im falschen Augenblick am falschen Platz zu sein? Der unsoziale Bekannte ist mit seiner Sicht der Dinge im Übrigen nicht allein. Auch in den Vereinigten Staaten wurden lediglich die von dem Attentäter in die Luft gesprengten Soldaten erwähnt. Die etwa zehnfache Menschenmenge, die gleichfalls von der Bombe zerrissen wurde, blieb unerwähnt. Aber was soll man von einem Land anderes erwarten, dass für sich das Recht in Anspruch nimmt, per Drohnen gezielte Anschläge zu verüben, um auf der feindlichen Seite angebliche Rädelsführer „auszuschalten“. Mit diesem relativ harmlos klingenden Wort wird umschrieben, was mindestens töten genannt werden müsste – eigentlich sogar morden. Zum Wesensmerkmal des Mordens gehört nach unserer Rechtsauffassung die niederen Beweggründe (bei amerikanischen Kriegszügen entweder Bereicherung oder Rache) oder eine arglistige Vorgehensweise (ein arglistigeres Tötungswerkzeug als eine aus großer Ferne, vielleicht sogar aus Deutschland, ferngesteuerte Drohne ist schwer denkbar). Bei den Fernangriffen treffen beide Merkmale zu.
franzleomai.de Glossen - Infos - Kommentare Inhalt