Schufa-Score – des hellen Wahnsinns fette Beute
Weil die Berliner Elektrizitätswerke vor fast 100 Jahren als zweites Standbein die (regelmäßig
zahlenden) Stromkunden mit Elektrogeräten versorgten, fielen quasi automatisch Daten über das
Zahlungsverhalten an. Das brachte Mitarbeiter auf die Geschäftsidee, eine "Schutzgemeinschaft für
Absatzfinanzierung" zu gründen. Aus dem Modell entwickelten sich 13 regionale Schufa-
Gesellschaften in Deutschland, die 1952 in die Bundes-Schufa e. V. mündeten. Diese wiederum
wurde im Jahr 2000 in die Schufa Holding AG umgewandelt und ist mehrheitlich im Besitz von
Banken. Seitdem wurde das Geschäftsfeld kontinuierlich ausgedehnt: Es werden kostenpflichtige
Informationen zu einzelnen Personen, aber auch Bonitätsauskünfte über Unternehmen ebenso
angeboten wie diverse andere Leistungen. Rund 1000 Beschäftigte erlösen damit Einnahmen von
knapp 300 Millionen Euro pro Jahr.
Nach dem vom Berliner Verbraucherschutzverein angestrengten Verfahren urteilte der
Bundesgerichtshof 1985, dass Kundendaten nur dann an die Schufa übermittelt werden dürfen, wenn
die Kunden einverstanden sind. Kein Problem für die Banken: Bei einer Kontoeröffnung oder einem
Kreditvertrag ist so gut wie ausnahmslos der verpflichtende Passus enthalten, durch die
Unterschrift die Erlaubnis zu erteilen, die Daten an die Schufa weiterzuleiten.
Daneben sammelt die Schufa Angaben aus öffentlichen Verzeichnissen wie amtlichen
Bekanntmachungen, Schuldnerverzeichnissen der Amtsgerichte, eidesstattlichen Versicherungen bei
Zwangsvollstreckungen und Pfändungsschutzkonten.
Jetzt ging ein neues System an den Start und online: Jeder kann sich nach umständlicher
„persönlicher Identifizierung“ per Brief im Internet über seine Bonität informieren, die in einer
Score genannten Kennzahl ausgedrückt wird. Nun soll zu sehen sein, wie die Schufa den errechnet.
Nicht weniger als elf Faktoren werden dazu ausgewertet: Zahlungsverhalten, Konto-/
Kreditkartenanfragen, sonstige Anfragen, Alter der aktuellen Adresse, älteste Kreditkarte, ältester
Bankvertrag, Ratenkredite, bestätigte Identität, laufende Ratenkredite, offene Ratenkredite sowie
Immobilienkredite.
Weil ich weder Ratenkredite (nur 3 Punkte) noch Immobilienkredite (nur 0 statt möglicher 55) zu
bedienen habe, bekomme ich bei diesen beiden Kriterien nicht die höchstmögliche Punktzahl wie bei
allen anderen Fragen. Insgesamt komme ich auf 927 von möglichen 999 Punkten und werde damit
doch als „hervorragend“ bewertet. Das muss man nicht verstehen.
Ausgerechnet heute berichten die Rheinische Post und andere Medien über den Düsseldorfer
„Immobilien-Investor“ Uwe R., dass gestern wegen Verdachts auf Wirtschaftskriminalität in einer
elfstündigen Aktion dessen Wohnsitz am Rhein und andere Objekte europaweit von 400 Ermittlern
durchsucht wurden? Der soll – natürlich gilt bis zu einer Verurteilung die Unschuldsvermutung – vor
seiner Privatinsolvenz wesentliche Werte auf andere Personen übertragen haben. Laut der
Staatsanwaltschaft gehe es um einen Schaden „im hohen zweistelligen Millionenbereich“. Wenigstens
können die Fahnder schon mal einen SUV der Luxusmarke Lamborghini, Modell Urus, sicherstellen.
Neupreis über 250.000 Euro. Zudem Kunstwerke, Edel-Uhren, andere Luxusartikel und Bargeld im
Wert von einigen Millionen.
Da fragt man sich, welchen Score dann wohl dieser Typ gehabt haben mag – oder hat das seine
Banken und andere Geldgeber gar nicht interessiert?