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Politiker-Sprache – oft unterste Schublade Auch wenn die beiden Genres Diplomat und Politiker eine gewisse Nähe zueinander haben, unterscheiden sie sich doch in einer Beziehung – jedenfalls theoretisch: Diplomaten wird oft ein größeres (Verhandlungs-)Geschick nachgesagt, ein besonderer Umgang mit der Sprache. Sie sind zwar von ihren Ländern Gesandte, aber durchaus nicht immer Geschickte. Ein treffliches Beispiel bot seinerzeit der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk, der sich verbal eher wie der berüchtigte Elefant im Porzellanladen benahm. Dabei hat er das schlechte Benehmen nicht erfunden. Wer erinnert sich nicht an Herbert Wehner, der als Zuchtmeister der SPD mit seinen derben Zwischenrufen Rekordhalter im Bundestag war, aber durchaus auch mit Wortwitz seine politischen Gegner traktierte. So verballhornte er seinen CDU-Bundestagskollegen Jürgen Wohlrabe wegen seiner lautstarken Zwischenrufe mit: „Sie… Sie Übelkrähe.“ Diese Bezeichnung wurde zu einem geflügelten Wort, aber von dem so Bedachten als eine Art "Ritterschlag" angenommen. Weniger begeistert war Jürgen Todenhöfer, den Wehner einmal mir „Hodentöter“ ansprach. Von einer anderen Qualität war das, was der als Stern des Südens an den Stammtischen Bayerns trotz vieler zwielichtiger Geschäfte immer noch verehrte damalige Ministerpräsident Franz Josef Strauß – nicht immer ganz nüchtern - von sich gab. Bekannt ist vor allem ein Zitat aus der „Wienerwald-Rede“ von 1976: „Helmut Kohl wird nie Kanzler werden“. „Er [Helmut Kohl] ist total unfähig. Ihm fehlen die charakterlichen, die geistigen und die politischen Voraussetzungen. Ihm fehlt alles dafür [fürs Kanzleramt].“ Kohl zahlte es ihm auf seine Weise heim, wurde Kanzler und blieb das fast 16 Jahre – genau 5870 Tage und damit sogar zehn Tage länger als seine Nachnachfolgerin Angela Merkel. Hochgeistige Getränke vermuteten viele, als Noch-Kanzler Gerhard Schröder 2005 in der Elefantenrunde auftrat – und dem Format seinen wohl legendärsten Moment verschaffte. Auch wenn Moderator Nikolaus Brender Endorphine für Schröders Verhalten verantwortlich machte: Andere hatten den Eindruck, dass er ordentlich unter Alkohol stand. Schröder verstieg sich zu der Aussage, niemand außer ihm sei in der Lage, eine stabile Regierung zu stellen. Fehlte nur, dass er „Hol mir mal 'ne Flasche Bier“ gesagt – oder gesungen hätte. Seine Widersacherin Angela Merkel, die Kanzlerin wurde und es für die nächsten 16 Jahre blieb, hörte lächelnd zu. Jetzt hat ein anderer Spirituosen-Freund Wolfgang Kubicki einen rausgehauen: Weil Merz die FDP für tot erklärte, habe Kubicki gedacht: „Du Eierarsch, dir werde ich das zeigen!.“ Und kandidiert für den Vorsitz der liberalen Resterampe. Wie harmlos-brav es bei uns zugeht, wird im Vergleich mit dem „Wilden Westen“ so richtig deutlich. Ende der Sechzigerjahre verhöhnte der ehemalige Lehrer und spätere 36. US-Präsident Lyndon B. Johnson, unter dem der Vietnamkrieg eskalierte, den damaligen Fraktionsvorsitzenden der Republikaner im Kongress und seinen späteren Nachnachfolger als 38. Präsident Gerald Ford, der als Jurist einmal Jahrgangbester gewesen war, mit der wenig schmeichelhaften Beschreibung, dieser sei „so doof, dass er es nicht schafft, gleichzeitig zu furzen und Kaugummi zu kauen“.
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