Politiker automatisch promovieren: Dr. pol.
Von Zeit zu Zeit geistern sie durch die Medien: Menschen, die auf „krummen“ Wegen einen Doktor-
Titel erworben haben: entweder nur von anderen abgekupfert (sogenannte Copy&Paste-Doktoren)
oder gleich ganz von Ghostwritern geschrieben.
Da gibt das Internet eine ganze Reihe Namen preis: Manja Schreiner (CDU), Martin Huber (CSU),
Franziska Giffey (SPD), Frank Steffel (CDU), Marita Mathiopoulos (FDP), Georgios Chatzimarkakis
(FDP), Andreas Scheuer (CSU), Jakob Kreidl (CSU), Annette Schavan (CDU), Bijan Djir-Sarai
(FDP), Silvana Koch-Mehrin (FDP), Florian Graf (CDU), Matthias Pröfrock (CDU) Uwe Brinkmann
(SPD), Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), Veronika Saß (ist keine Politikerin, aber Tochter von
Edmund Stoiber) oder jetzt ganz aktuell: Mario Voigt (CDU). Das sind die, denen der begehrte Titel
wieder entzogen wurde - ohne Zusicherung der Vollständigkeit dieser Liste und ohne wertende
Reihenfolge. In Verdacht einer Fälschung sind deutlich mehr geraten.
Dabei wäre das Problem leicht zu lösen: Schließlich handelt es sich beim Doktortitel um den höchsten
akademischen Grad, der an einer Universität erworben werden kann und zeigt, dass jemand in einem
Fachgebiet über besondere wissenschaftliche Kompetenz verfügt und eigenständig forschen kann.
Also könnte das Führen des Doktortitels beschränkt werden auf den wissenschaftlichen Bereich – und
ansonsten nicht statthaft sein. Das hätte den charmanten Vorteil, dass der Beruf der (nicht selten
selbst zwielichtiger) Plagiatsjäger automatisch verschwindet, der ohne jede Ausbildungsordnung eh
kein ordentlicher ist.
Weil aber die Sehnsucht nach dem begehrten Status-Symbol in der Politik ganz besonders
ausgeprägt scheint, wäre da die simple Lösung möglich, den Doktortitel grundsätzlich nach einer
gewonnenen Wahl zu verleihen. Vielleicht nicht schon für eine ordinäre Gemeinde- oder
Stadtratswahl und auch noch nicht für Landkreistage – dann würden sich die Doktores allzu
inflationär vermehren und allzu viele simple Dumpfbacken in den Genuss des Titels kommen. Aber bei
einer Wahl in einen Landtag oder gar in den Bundestag könnte eine sozusagen automatische Promotion
erfolgen.
Mit der Bezeichnung wäre das zwar ein wenig schwierig, aber lösbar: So wie es in der Medizin den
Dr. med. für den praktischen Arzt gibt – erweitert um die Zusätze vet., hum. oder dent. -,
existiert daneben auch für theoretische Mediziner ein Dr. rer. medic., ausschließlich geeignet für
wissenschaftliche Doktorspiele. Weil der Titel Dr. rer. pol. schon besetzt ist als Kurzform von
Doctor rerum politicarum für die Doktores der Staatswissenschaften, also ebenfalls Theoretiker,
würde sich für die praktischen Abgeordneten ein Dr. pol. anbieten. Der könnte dann spezifiziert
werden zum Dr. pol. land., zum Dr. pol. bund. oder gar zur höchsten Form, einem Dr. pol. euro.
Damit wäre einerseits dem gewünschten Schmuck für den Aufdruck auf Briefbögen, Visitenkarten
und dergleichen gedient, und andererseits den herkömmlich promovierten, also als richtige
Staatswissenschaftler Tätigen, nichts weggenommen.