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Personalausweis mit einem Hauch Tatort-Feeling beantragen Man muss nicht mehr eigens ein Verbrechen begehen, um einmal das Gefühl erleben zu können, was in so gut wie jedem Tatort wenigstens einmal vermittelt wird: Da sitzen die Täter, die zu dem Zeitpunkt noch „mutmaßlich“ genannt werden müssen, im Büro eines Verbrecher-Jägers am Schreibtisch und liefern ihre Fingerabdrücke ab. Das kann passieren, um das ganz spezielle Muster seiner Papillarleisten mit den im Archiv vorhandenen abzugleichen und ihn so zu identifizieren. Dahinter kann aber auch der Vergleich mit an einem Tatort gefundenen Abdruck stecken. Jetzt müssen für alle neuen Personalausweise auch Fingerabdrücke geliefert werden. Nicht mehr mit der schmuddeligen Methode, Farbe vom Stempelkissen aufs Papier zu bringen, sondern mittels eines Scanners. Auf den drückt man für einige Sekunden die Fingerkuppe jeweils des Zeigefingers einmal der linken und einmal der rechten Hand. Der Scanner wandelt die analoge Ansicht der Fingerkuppen-Rillen in einen digitalen Datensatz um, der im Chip auf dem Personalausweis gespeichert wird. Sinn der Sache ist (angeblich), bei einer Kontrolle durch Vergleichen des Datensatzes mit dem auf dem Ausweis vorhandenen Foto sicherzustellen, dass es sich bei dem Ausweiszeiger um den rechtmäßigen Besitzer handelt. Die zum Drucken des Ausweises nach Berlin geschickten Datensätze werden (angeblich) anschließend vernichtet. Das von vielen Menschen geäußerte Misstrauen scheint nicht übertrieben zu sein. Erstens muss das Foto schon zwingend biometrischen Vorgaben entsprechen. Also lässt sich das nicht leicht ändern und zeigt jedem Kontrolleur, ob es sich wirklich um den Ausweisinhaber handelt. Ohne jede Technik. Einfach auf Augenschein. Und zweitens gab es schon einmal einen Versuch der Regierung, Fingerabdrücke für eine nationale Fingerabdruckdatei zu sammeln. Der Vorstoß wurde damals abgewehrt, aber deshalb von seinen Befürwortern nicht aufgegeben. Im Gegenteil: mit dem schlitzohrigen Umweg, die europäischen Sesselfurzer für die Idee zu begeistern, kam jetzt die Weisung par ordre di mufti aus Brüssel. Beim Antrag meines Ausweises trat ein Problem auf, das sicher noch Folgen haben wird: Die Kuppe meines rechten Zeigefingers ist so glatt, dass der Scanner kein Papillarmuster erkennen konnte. Auf Geheiß der Dame im Bürgerbüro wurde dann der Daumen meiner rechten Hand gescannt. Jetzt bin ich gespannt auf die erste Kontrolle meines Personalausweises – wenn er denn in vier Wochen endlich eintrudeln wird. Mal sehen, wie Hinterwäldler-Uniformträger reagieren, wenn sie einmal Daumen (rechts) und einmal Zeigefinger (links) zu vergleichen haben.
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