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Paul Ziemiak – noch ein Sargnagel für die gebeutelte €DU Wen hat die ehemals christliche Volkspartei nicht schon alles aufgeboten, um von dem peinlichen Kanzlerkandidaten abzulenken: Da war der gehobene Mittelständler mit seinen zwei Fliegern, der es lediglich erreichte, andere Erz-Neokapitalisten und Lobbyisten für seine Ansichten zu erwärmen. Ein abgehalfterter Schlapphutchef, den man nach seinen Äußerungen durchaus bei den tiefbraunen Rechtsaußen verorten könnte. Die von der Weinkönigin zur angeblichen Tierschützerin mutierte Nestlé-Lobbyistin, die es lange Zeit nicht geschafft hatte, das Schreddern von männlichen Küken abzuschaffen. Der allüberall als Maut-Minister verspottete Ex-Doktor einer tschechischen Universität, der mehrere Hundert Millionen Euro zu Lasten der Staatskasse in den Sand gesetzt hat – um nur einige aufzuzählen. Jetzt muss die Reihe um einen weiteren Namen ergänzt werden: Man kann ihn Paul Ziemiak nennen, aber geboren wurde er vor 35 Jahren als Pawel Ziemiak in Polen, wo nationalkonservatives Gedankengut gerade hoch im Kurs steht. Er ist nun also Generalsekretär der deutschen Christdemokraten und damit so etwas wie die Sturmspitze im Wahlkampf der €DU gegen alle. Welche Qualifikation ihn dafür befähigt, ist nicht ohne weiteres zu erkennen – außer der Vorliebe für falsche Darstellungen und Hass auf alles, was links von dem ist, was er für die Mitte hält. Nach seinem Jurastudium hat er sogar die Erste Juristische Staatsprüfung gleich zweimal versemmelt und auch das anschließende Studium (an einer privaten, aber staatlich anerkannten Fachhochschule) „Unternehmenskommunikation“ nicht mit einem Abschluss beendet. Gleichwohl reichte es 2016, zum Vorsitzenden der Jungen Union gewählt zu werden. 2017 gelangte er über die Landesliste in den Bundestag. 2018 schlug die Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer ihn als ihren Nachfolger für das Amt des Generalsekretärs vor – und er wurde als einziger Kandidat mit der peinlichen Quote von gerade einmal 62,8 Prozent gewählt. Dieses politische Irrlicht hat nun den SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz aufs Korn genommen, den einzigen, der nach aktuellen Umfragewerten gute Chancen hat, die Aachener Lusche in den Schatten zu stellen. Nun ist es nicht so, dass Scholz nicht in der Tat eine Menge Fehler gemacht hat – denken wir nur an sein Herumeiern in Sachen Cum-Ex und Wirecard. Aber dann sollte es unter demokratischen Parteien doch so sein, dass sich Leute auf Augenhöhe gegenseitig Vorwürfe machen. Da würde es der Anstand gebieten, dass richtige Spitzenpolitiker diesen Marktschreier an die Leine legen. Wenn jetzt auch noch die gedungenen Schreiber in allen möglichen Medien mit ihren „Informationen“ ans Tageslicht kommen, kann der Wahlkampf richtig schmutzig werden. Wer erinnert sich nicht an die zeitlich punktgenaue Veröffentlichung von Schmutzeleien, die zu einem meisterlich theatralischen Ehrenwort-Geschwätz vor laufenden Fernsehkameras führte – und Tage später in der Badewanne eines Schweizer Luxushotels endete.
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