Nur kranke Köpfe wärmen alte Ideen wieder auf
Dass Fracking die Möglichkeit bietet, aus den Gesteinsschichten tief unter der Erdoberfläche
Erdgas lösen zu können, ist nicht neu. Ebenso wie die Erkenntnis, dass dazu umweltgefährdende
Chemikalien eingesetzt werden müssen, die das Grundwasser verseuchen können. Sogar Erdbeben
sind als Folge möglich. Aus gutem Grund ist Fracking also hierzulande verboten. Aber das hat die
frühere Energie-Managerin und jetzige Wirtschaftsministerin nicht davon abhalten können, erneut
die schwachsinnige Idee zu vertreten, einen neuen Anlauf für die umstrittene Technik zu
unternehmen – ganz so, als wäre sie immer noch für den Gaseinkauf ihres früheren Arbeitgebers
verantwortlich und nicht für die Wirtschaft der Bundesrepublik zuständig.
Ursula von der Leyen hat keine Skrupel, die mit gutem Recht längst totgesagten Atomreaktoren
wieder zur Sprache zu bringen, von denen selbst der nicht gerade für sein Umweltbewusstsein
bekannte Kanzler und frühere BlackRock-Chef sagt, der Zug sei endgültig abgefahren. Wobei es
völlig müßig ist, über die Frage zu diskutieren, ob es sinnvoll gewesen wäre, die Reaktoren für
weitere zwei oder drei Jahre am Stromnetz zu lassen: sie sind inzwischen so zurückgebaut, dass
eine erneute Inbetriebnahme zum Glück weder technisch möglich noch finanziell realisierbar wäre.
Und die Frage einer Endlagerungsstätte für die Brennstäbe und sonstig radioaktiv verseuchten
Abfall wäre nach wie vor ungeklärt und würde für viele Jahrhunderte eine Gefahr bergen – wenn
nicht für Jahrhunderttausende.
Markus Söder wäre nicht der fast alles (besser) wissende Tausendsassa, wenn er nicht noch einen
draufsetzen würde: Er fantasiert nicht nur ebenfalls von Atomkraft, sondern versucht mit der ihm
angeborenen Schlitzohrigkeit, die von ihm richtig erkannten Vorbehalte gegen die gefährliche
Energieherstellung gleich zu entschärfen. Er redet verniedlichend von „kleinen“ Atomkraftwerken,
miniaturisiert dadurch nicht nur die Bedenken der Menschen gegen die Riesenmailer, sondern lässt
gedanklich auch eine Verkleinerung der Gefahren mitschwingen. Niemand soll noch Angst vor
Katastrophen wie in Fukushima haben: Die alten Anlagen damals da seien nicht zu vergleichen mit
qualitativ hochwertigen Produkten „Made in Bavaria / Germany“. Dabei tut er gerade so, als gäbe es
schon irgendwo die von ihm ins Spiel gebrachten kleinen Reaktoren, sozusagen Garagenreaktoren.
Und als wäre es mit den Spinnereien noch nicht genug, steigert er sich auch in dem Punkt noch
einmal eine deutliche Stufe und faselt etwas von Fusionsreaktoren, an denen gewaltig geforscht
werde und in deren Entwicklung noch sehr viel mehr Geld gesteckt werden müsse. Gerade so, als
könnten mit einem nur eben besonders großen Scheck die Gesetze der Physik außer Kraft gesetzt
werden. Die Wahrheit ist: Nach Jahrzehnten intensiver Forschung ist die Technik bei
Fusionsreaktoren gerade einmal so weit, dass sich für Sekundenbruchteile Energie erzeugen lässt –
aber deutlich weniger, als für diesen Mordsaufwand eingesetzt werden muss.
Nur kranke Köpfe wärmen alte Ideen auf – wenn ihnen sonst nichts mehr einfällt, wenn sie am Ende
ihrer beschränkten Weisheit sind.