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Noch ne Panne - aber die Gorch Fock ist nicht gesunken Nur wenige Projekte verkörpern die Begriffe „Pleiten, Pech und Pannen“ nachdrücklicher als das 1958 in Dienst gestellte und als Bark getakelte Segelschulschiff der Deutschen Marine. Gorch Fock heißt das Teil, das 2015 zu einer vollständigen Grundinstandsetzung in die Werft gegeben wurde. Die Aktion sollte ursprünglich 10 Millionen Euro kosten. 2016 stellte sich heraus, dass weitere Schäden behoben werden mussten, aber zunächst die Wirtschaftlichkeit berechnet werden sollte. Anfang 2017 entschied die grundsätzlich nicht mit einem glücklichen Händchen versehene Verteidigungsministerin Dr. med. Ursula von der Leyen, für inzwischen auf 75 Millionen geschätzte Kosten die Arbeiten durchführen zu lassen. 2018 veranschlagte die Werft dann allerdings schon 135 Millionen für die Fertigstellung, die bis Mitte 2019 dauern würde. Nach mehreren „Zwischenspielen“ in Form von Ermittlungen wegen Vorwürfe von Korruption und Untreue, wegen des Entdeckens zusätzlicher Mängel, wegen Überlegungen, die Reparaturen nicht durchzuführen, sondern ein neues Schiff zu bauen, wegen finanzieller Probleme einer Werft, die Insolvenz anmelden musste, konnte das Schiff im März 2021 endlich wieder zu Wasser gelassen werden. Vor wenigen Tagen stach das Segelschulschiff dann endlich in See – zur ersten Probefahrt nach sechs Jahren Allerdings kam es schon kurz nach dem Ablegen bei der Bremer Lürssen Werft in Lemwerder zu einer neuen Panne: Die erste Diagnose: ein Maschinenschaden. Zwei Schlepper mussten helfen, den Segler in Richtung Nordsee zu bugsieren. Angeblich hat ein Regelventil die Maschinenanlage ausfallen lassen. Das soll jetzt ausgetauscht werden, damit dann die Probefahrt fortgesetzt werden kann. Danach soll die Endausrüstung in Wilhelmshafen erfolgen und der Dreimaster am 30. September wieder an die Bundeswehr übergeben werden. Am 4. Oktober, so jedenfalls die Planung, soll das Schiff in seinen Heimathafen Kiel zurückkehren. Ob und wie sich bis dahin die veranschlagten Kosten von 135 Millionen noch einmal erhöhen, steht noch nicht fest – wohl aber, dass die Staatsanwaltschaft Osnabrück nach wie vor ermittelt, wo die Millionenbeträge geblieben sind. Ob die damalige Verteidigungsministerin, die sich jetzt neben Flinten-Uschi mit einigem Recht wahlweise auch „Pannen-Uschi“ nennen darf, der Übergabe einen feierlichen Anstrich verleihen wird, ist eher unwahrscheinlich. Auch dass Annegret Kramp- Karrenbauer als ihre Nachfolgerin im Amt sich auf die Fotos bei dem Presse-Termin vor die Kameras drängt, ist kaum zu erwarten – ganz abgesehen davon, dass nicht feststeht, ob ihr das Wahlergebnis am 28. September nicht noch zusätzlich die Lust auf Feiern verdirbt. Zumindest in der Beziehung ist Pannen-Uschi mit ihrem (derzeit jedenfalls) sicheren Job als Präsidentin der Europäischen Kommission in Brüssel fein raus. Was die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Osnabrück angeht, ist das noch nicht so sicher.
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