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Nach Hobby-Horsing gibt’s jetzt Hobby-Dogging Das Reiten auf einem Besenstiel, der am oberen Ende mit einem Pferdekopf „verziert“ und an Zügeln gehalten wird, ist nicht neu – und keineswegs nur der ausgefallene Sport alberner Kinder. In einem Stadtteil von Viersen am Niederrhein, gibt es den Brauch, dass mehr oder weniger würdige Honoratioren, die Senatoren, im schwarzen Anzug auf solchen Sportgeräten mehrmals um die Windmühle reiten. Bei diesem Gebäude handelt es sich um die Narrenakademie, das Herzstück des Karnevalvereins, der sich in bescheidener Schönheit nennt: „die erleuchtete Mondsuniversität, die berittene Akademie der Künste und Wissenschaften zu Dülken“. Sie sei eine der ältesten (angeblich von 1554) Narrengesellschaften in Europa. Bei diesem Verein wird mit dem, was nun neudeutsch Hobby-Horsing“ heißt, jeweils am 11.11. um 19.11 Uhr die neue Karnevalssession eingeritten. Frauen sind hierbei bisher nicht beobachtet worden, obwohl die Stock-Pferde ja durchaus auch im Damensitz geritten werden könnten. Wer nicht von dem sehr speziellen Humor-Bazillus befallen ist, der mag diesen Brauch seltsam finden, vielleicht sogar befremdlich – und so gar kein Verständnis dafür entwickeln, dass die neue Sportart landauf, landab zur Gründung von Vereinen geführt hat, die sich nicht als Karnevals-, sondern als Sportverein verstehen. Da, wo ganzjährig geritten wird, sieht das anders aus: Überwiegend Frauen tragen regelrechte Turniere aus. Wer derlei Treiben kritisch gegenübersteht, der dürfte noch weniger Verständnis für eine andere Mode haben: Immer häufiger sieht man Spaziergänger – und oft Spaziergängerinnen – die Hobby- Dogging betreiben. Selbst wenn man Empathie für den Hund als besten Freund des Menschen hat, bezieht sich das doch ausschließlich auf meist vier-, nach Unfällen gelegentlich auch dreipfotige, Tiere. Davon ist Hobby-Dogging weit entfernt. Dabei führen die Spaziergänger nämlich lediglich eine Hundeleine an der Hand. Ohne Hund! Kein Wunder, dass Zuschauer bei dem Anblick sich verwundert die Augen reiben – und vielleicht denken, die Vierbeiner seien möglicherweise ausgerissen. Nein - die gab es schon beim Start des Spaziergangs nicht. Die Vorteile sind nicht von der Hand zu weisen: keine Hundesteuer, keine teuren Rechnungen vom Tierarzt, keine haarigen Teppiche, kein Gekläffe, Gesabber, Geknurre. Und keine Küttel, die man ins Tütchen packen muss. In manchen Orten treffen sich regelmäßig Anhänger dieses neuen „Sports“. Dass der Frauenanteil hier deutlich größer ist als beim Hobby-Horsing mag auch damit zu tun haben, dass auf einem Besen reitende Frauen nicht nur in vielen Witzen verunglimpft werden. Sie waren früher ein zentrales Motiv der europäischen Hexenmythologie, die sie zu nächtlichen Zusammenkünften oder zum Hexensabbat fliegen ließ und im Mittelalter zu Verfolgungen bis zum Scheiterhaufen führte.
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