Mit einem Keil die „braune“ Partei spalten
Die Politik – und da vor allem: die CDU – hat das Problem, bei der AfD nicht eine fest umrissene
Gruppe vorzufinden, sondern ein Konglomerat von Faschisten mit sehr deutlich rechtsextremsten
Gedanken, Sprungwählern etwa aus der Mitte und allen möglichen leichtgläubigen Protestwählern
dazwischen.
Nun kann man einerseits jeden Entschluss gegen eine Zusammenarbeit mit der AfD nachvollziehen und
sogar durchaus berechtigt ein Verbot der „Braunen“ (auch wenn sie die Farbe Blau für sich
reklamieren) fordern. Aber das würde außer Acht lassen, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil der
Bevölkerung (nicht nur in Deutschland) sich derzeit politisch auf der Werteskala deutlich nach rechts
gewandt hat und immer dann nicht mitgenommen wird, wenn die Vertreter der Rechten generell von
jeder Verantwortung ausgeschlossen werden. Dieser gordische Knoten ist weder mit einem Verbot der
Partei zu lösen noch mit einem Kaltstellen.
Einerseits können Parlamente ohne eine Zusammenarbeit mit der AfD unregierbar werden, wenn die
wirklich immer mehr Stimmen sammelt. Auf der anderen Seite verkennt ein solch genereller
Beschluss, dass eben nicht alle AfD-Mitglieder und schon gar nicht alle AfD-Wähler auf der
extremen Höcke-Weidel-Chrupalla-Welle reiten. Zudem wird derzeit in allen Parlamenten immer
wieder über eine Reihe Punkte abgestimmt, die von Linken wie Rechten – einschließlich aller
dazwischen – für richtig angesehen werden. Einen objektiv richtigen Vorschlag aber nur deshalb
scheitern zu lassen, weil er von der falschen Seite stammt, ist mehr als dumm.
Nachdem der großspurig verkündete Merz-Plan, die AfD „politisch zu stellen“ und ihre Zahlen „auf die
Hälfte zu schrumpfen“, als jämmerlich gescheitert angesehen werden darf, ist es höchste Zeit, eine
andere Taktik zu probieren und einen Spalt-Keil in die rechte Gruppe zu treiben. Dann würde sich
eine große (und vielleicht vernünftigere) Zahl AfD-Abgeordnete – und in deren Folge AfD-Wähler -
von den Blau-Braunen abwenden.
Dazu wäre es nötig, die AfD zu zwingen, sich von den gesichert rechtsextremen Typen zu trennen,
deren erklärtes Ziel nicht die Umsetzung von etwas rechteren Positionen ist, sondern die Abschaffung
der Demokratie in der Form, wie sie das Grundgesetz sichert. Nach einer Aufspaltung der AfD in
eine zwar rechte, aber gemäßigtere AfD light und eine AfD extrem, die faschistischen Höcke-Parolen
anhängt, wäre die gesäuberte AfD durchaus als Koalitionspartner vorstellbar.
Möglicherweise würde sich eine solche Trennung erzwingen lassen, wenn man die jetzige AfD vor die
Wahl stellt, ansonsten ein Verbot der Partei zu beantragen.
Die von interessierten Kreisen immer wieder in die Diskussion gebrachte Gefahr, ein solches
Gerichtsverfahren könnte verloren werden – wie damals der Antrag eines NPD-Verbots -, ist höchst
albern und sollte nicht von diesem Schritt abhalten.