Manches Gegröle hat tatsächlich Kultstatus
Auch wenn man den Blödsinn nicht schön findet und schon gar nicht mit“singt“, der auf vielen Festen –
zumal in vorgerückter Stunde und oft nach reichlich Alkoholgenuss – erklingt, haben manche Lieder
Kultstatus. In diesem Jahr wollte die Stadt Erlangen das Fest der Bergkirchweih, das als ältestes
Bierfest der Welt gilt, akustisch säubern und hat eine Liste von Liedern veröffentlicht, die nicht
gespielt werden sollen.
Dabei sind Schrott-Texte wahrhaftig keine neue Erfindung. Zweideutige Songs gab es schon lange.
1964 hieß es noch relativ harmlos: „Das kommt vom Rudern, das kommt vom Segeln, das kommt vom
Fischefangen, das kommt vom Rudirudirallala.“
Kultstatus erreichte 1981 ein Hit der Spider Murphy Gang: „Skandal im Sperrbezirk - In München
steht ein Hofbräuhaus / Doch Freudenhäuser müssen raus / Und draußen vor der großen Stadt / stehn
die Nutten sich die Füße platt.“
Erwartungsgemäß finden sich Ballermann-Songs auf der Liste: Stücke wie »Layla« von DJ Robin &
Schürze „Ich hab’ n Puff und meine Puffmama heißt Layla / Sie ist schöner, jünger, geiler“ oder: „Ole,
Ole, Ole, Ole Ole, Wir fahrn im Puff nach Barcelona, Ole, Ole, Ole, Ole / Lesbisch, lesbisch und ein
bisschen schwul.“ Und von den 3 Besoffskis „Wir bumsen hier/ Wir bumsen da“. Peter Wackel, ein
Ballermannsänger und selbst aus Erlangen, wunderte sich, dass auch sein Song „Joana, Du geile Sau“
auf der Liste stand.
Zum Egerländer Fuhrmannsmarsch gibt es gleich mehrere Texte: „Wenn wir mit dem Arsch an der
Theke stehn.“ Aber auch: als sogenanntes Huhnlied: „Scheiß egal, scheiß egal / ob Du Huhn bist oder
Hahn. / Wenn Du Huhn bist, musst Du Eier legen können. / Wenn du Hahn bist, musst du Hühner
„treten“ können.“ Oft wird das „treten“ durch ein ordinäres Wort für das ersetzt, was in Bayern mit
schnackseln beschrieben wird.
Die Glöcknerin von Dingolfing ist ein anderes Muster für Dichtkunst: „Das ganze Tal spricht über sie /
Denn so ein Glockenspiel, das gab’s noch nie. / Ein jeder will sie dabei sehen. / Man sieht am Abend
alle zu ihr gehen. / Und bei Gejohle und viel Applaus / holt sie ihre Glocken raus / Und sie spielt mit
viel Gefühl / mit ihrem Glockenspiel.
Deutlich derber ist: 10 nackte Friseusen, „Ich will 10 nackte Friseusen, ohoh, 10 nackte Friseusen,
mit richtig feuchten Haaren… Bei den „Haaren“, die sich explizit nicht auf „Friseusen“ reimen, handelt
es sich um einen sogenannten Vexierreim. Ähnlich verhält es sich mit dem Polonäse-Lied: „Hier fliegen
gleich die Löcher aus dem Käse. / Denn nun geht sie los unsere Polonäse. / Wir ziehen los mit ganz
großen Schritten, / und Erwin fasst der Heidi von hinten an die Schulter.“ (Weil sich das auf
Schritten reimt.)
Verglichen mit solchem Sprach-Schrott haben die Bläck Fööss mit ihrem Mundarthit „Roxy“ Literatur
gesungen: „Denn wenn et Leech usjing em Roxy / hatte mer schnell e Kääzje ston. / All die Mädche un
die Junge / soße, loge eng umschlunge / hingen en d’r letzte Reih. / Un wenn dann jeder singem
Mädche / unger et wieße Blüsje jing, / do hatte mir och schnell kapeet, / öm wat et noch em Levve
jeit“.
Bei Kölsch liegt sogar KI falsch und übersetzt meilenweit daneben: „Sobald der Film begann, zündeten
sich die Pärchen in der letzten Reihe heimlich Kerzen an.“
Falsch, setzen, 6. Nie wurde eine Erektion poetischer beschrieben.