Kubicki erhöht die FDP-Stimmen – um Promille
Die Anspielung auf (nur) eins der Laster des Genussmenschen Wolfgang Joachim Kubicki mag
erstaunen – gerechtfertigt ist sie allemal. Der Politiker, Rechtsanwalt, Volkswirt, Kneipier und
Geldsammler en gros hat selbst in einem Interview mit der „Zeit“ darauf hingewiesen: „Ich würde in
Berlin zum Trinker werden.“ Das war 2010, im Bundestag war er danach noch von 2017 bis 2025.
Vielleicht wird das Hobby verständlicher, wenn man ansieht, wo Kubicki überall seine Finger drin
hatte und hat. Hier reicht der Platz nicht, alles darzustellen, aber das beschreibt ein ausführlicher
Wikipedia-Eintrag detailliert.
Nun hat der alte weiße Mann, sozusagen als Spätberufener, seinen Hut in den Ring geworfen, um
als Vorsitzender die nach dem Rauswurf aus mehreren Parlamenten erneut am Boden liegenden
„Freien Demokraten“ wieder aufzurichten und bei den nächsten Wahlen (noch vier in diesem Jahr)
über die 5-Prozent-Hürde (50 Promille) zu heben.
Daran, dass liberales Gedankengut in der Mitte des Parteienspektrums fehlt, kann kein vernünftiger
Zweifel herrschen. Die CDU ist deutlich nach rechts gerutscht, SPD und Grüne sind zu klein und die
angebliche Alternative ist so weit rechts, dass sie nicht in den Kanon der Parteien gehört, sondern
längst verboten sein müsste. Ob es sich bei der fehlenden Partei allerdings um die Westerwelle-
Lindner-Kubicki-Liberalen handeln muss, darf bezweifelt werden.
Die aktuellen Überlegungen würden als Hilfestellung ihrer Versicherungs- und Finanz-Klientel dienen:
eine kapitalgedeckelte Aktienrente. Das ist nicht das Gebaren einer im klassischen Sinn liberalen
Partei, sondern eher Merkmal einer libertären Denkweise: Nicht möglichst viel Freiheit für den
Einzelnen, sondern so wenig wie möglich staatliche Regulierung - bis zur Abschaffung des
Wohlfahrtsstaates. Die Übertragung des Raser- Gedankens „Freie Fahrt dem freien Bürger“ auf
das gesellschaftliche Leben. Vorfahrt dem Stärkeren – das wäre Marktwirtschaft in der reinsten
Form und ohne den Zusatz „sozial“. Die Partei wendet sich verstärkt dem Wirtschaftsliberalismus zu
und positioniert sich gegen die Wirtschafts- und Sozialpolitik des linken SPD-Flügels.
Diese Partei hat wenig mit den Vertretern des linksliberalen Freiburger Kreises zu tun. „Richtige“
Liberale wie Gerhard Baum, Burkhard Hirsch und Walter Scheel rotieren im Grab, Sabine
Leutheusser-Schnarrenberger dürfte noch mehr mit ihr fremdeln.
Dagegen unterstützt die exzentrische Düsseldorfer Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-
Zimmermann die Kandidatur von Wolfgang Kubicki. Sie ist als Mitglied beim Förderkreis Deutsches
Heer und bei der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik für eine große Nähe zur
Rüstungsindustrie bekannt und gerne mit ihrem Motorrad unterwegs.
Kubicki bevorzugt es bequemer: Zu einem zweistündigen Interview als Autor seines Buches „Sagen,
was Sache ist“ in einer Talkshow von Sabine Christiansen ließ er sich zusammen mit seiner Frau
gleich für acht Tage zu einer Luxus-Kreuzfahrt (von Martinique nach Miami) auf der „Europa 2“ in
die Karibik (von Berlin nach Martinique) und nach einer Woche zurück von Miami nach Berlin fliegen.
Ein Honorar sei ihm nicht bezahlt, aber Kost und Logis übernommen worden. Das soll nach
Zeitungsberichten bei 10.000 Euro gelegen haben.