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Knast, tot, untot, 38 Millionen, Stammtischgerede  Da staunten alle, als ein Stammtischbruder von dem Gerücht erzählt, der stadtbekannte und verurteilte Steuerhinterzieher sei nicht im Knast, sondern erst aus gesundheitlichen Gründen vom Absitzen der 8-jährigen Gefängnisstrafe verschont worden. Und jetzt habe ihn das gerechte Schicksal ereilt: Gestorben und tot – ohne in den Genuss seines Reichtums zu kommen. Daraus ergab sich folgender Dialog, typisch Stammtisch: Wieso Reichtum? Der hatte doch nichts mehr von den 38 hinterzogenen Steuermillionen. Alles an wohltätige Stellen gespendet. Und wegen der Menge der Segnungen und zum Ersparen des Papierkrams einfach so: mit warmer Hand und ohne Belege. Ja, wer’s glaubt. Jemand, der derart viel kriminelle Energie hatte, den in Form des Finanzamtes personifizierten deutschen Staat jahrzehntelang zu täuschen, der wird ja wohl klug genug gewesen sein, einen ordentlichen Batzen für sein Leben danach auf die Seite zu schieben. Niemals. So leicht kann man unsere Finanzbeamten nicht abschütteln. Naja, wenn er die Mafia um eine solche Summe betrogen hätte, die würden ihm keine ruhige Minute gönnen und lückenlos überwachen. Aber dafür hat das Finanzamt bei weitem nicht genug Personal. Das würde ja heißen, man sollte lieber den Staat bescheißen als die Mafia? Das auf jeden Fall. Oder hat schon mal jemand von einem Steuersünder gehärt, der zur Abschreckung von Nachahmern mit den Füßen in einen Betonblock zementiert am Boden eines Sees entdeckt worden ist? Also muss man davon ausgehen: Der Typ sitzt jetzt auf randvoll mit druckfrischen Geldscheinen gefüllten Koffern in irgendeinem piekfeinen „Austragshäusl“ und wartet in allem Luxus auf das Ende seiner Tage. Einer erinnert an die erste Mitteilung: Quatsch, ich sagte doch, der hat nichts mehr von seinem Reichtum: Er ist tot, aber untot. Wie soll das funktionieren: Es hat weder eine Todesanzeige in der Zeitung gestanden noch ein Nachruf der vielen Institutionen, die er angeblich so reichlich beschenkte. Das ist ja gerade der Trick: Wenn er tot wäre, dann könnte er ja nichts mehr von dem angesammelten Reichtum genießen, der extrem vorsichtig geschätzt noch bei mindestens 20 Millionen liegen dürfte. Also hat er sein Ableben so sorgfältig inszeniert wie all die Aktionen in seiner „Geschäftszeit“. Jetzt gilt er als tot, ist in Wirklichkeit aber quicklebendig untot und zeigt uns – in Gedanken – den ausgestreckten Mittelfinger. Aber wenn er gestorben wäre, dann müsste irgendwo seine Beerdigung stattgefunden haben – ob im Sarg oder in einer Urne. Theoretisch ist das so. Aber jenseits der Landesgrenze kann man einen Verstorbenen verbrennen lassen und dann die Urne mitnehmen. Auch da müsste ein Totenschein vorgelegen worden sein. Als ob das ein Problem für jemanden ist, der tausendfach Unterlagen gefälscht hat?
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