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Ida, Dora, Ida, Otto, Theodor, Emil, Nordpol Was auf den ersten Blick aussieht wie eine dümmliche Reihe von beliebigen Begriffen, ist in Wirklichkeit ein sich in dem Zusammenhang massiv aufdrängendes Wort – dargestellt nach der bisher in Deutschland gültigen Buchstabiertafel. Dabei ergeben die Anfangsbuchstaben eine Bezeichnung, die man am liebsten auf Sesselfurzer anwenden möchte, die sich ihre (bezahlte) Zeit mit solchen Problemen vertreiben. Derlei Hilfsmittel waren in der Frühzeit des Telefon- und Sprechfunkverkehrs wegen der manchmal sehr schlechten Übertragungsqualität nötig und erleichterten die Verständigung, indem mit ihnen Wörter relativ eindeutig zerlegt werden konnten: Für jeden Buchstaben wird ein Wort mit dem entsprechenden Anfangsbuchstaben genannt. Um die Sache so sicher wie möglich zu machen, wurden schon in der ersten Liste im Jahr 1903 einsilbige Wörter vermieden und nur solche Begriffe genommen, die sich in Betonung und Klang möglichst unterschieden. Nach dieser Tabelle hätte unser Begriff aus der Überschrift so geheißen: Isidor, David, Isidor, Otto, Theodor, Emil, Nathan. Die jüdischen Vornamen passten später dem braunen Gesocks nicht, und so führten die Nazis eine "arisierte" Fassung ein. Aus Albert wurde Anton, aus Berta Bruno, aus David Dora, aus Friedrich Fritz, aus Heinrich Heinz. Isidor änderten sie in Ida, Jacob in Jot, Nathan wurde zu Nordpol, Samuel zu Siegfried und Zacharias zu Zeppelin. In der Bundesrepublik wurde dann aus Bruno wieder Berta, aus Fritz wieder Friedrich, aus Heinz wieder Heinrich, aus Jot Julius, aus Kurfürst Kaufmann, aus Marie Martha, aus Siegfried wieder Samuel, aus Toni wieder Theodor und aus Zeppelin wieder Zacharias. Nachdem im November 2019 ein "Religionswissenschaftler" gefordert hatte, dass auch Nordpol für das "N" in der DIN 5009 wieder durch das ursprüngliche Nathan ersetzt werden sollte, beschäftigte sich das "Deutsche Institut für Normung" mit dieser Frage. Ende des vorigen Jahres beschloss dessen Arbeitsausschuss, eine neue Buchstabiertafel zu erarbeiten, die auf Städtenamen basieren soll. Damit ist (vielleicht) 2022 zu rechnen. Bis dahin wird die Tabelle der "Weimarer Republik" empfohlen. In der steht für Anton Albert, für Berta Bernhard, für Dora David, für Julius Jacob, für Kaufmann Katharina, für Martha Marie, für Nordpol Nathan. Nebenbei: Der vor allem unter den Stichwörtern Gurkenkrümmungs- und Bananenlänge- Verordnung gelegentlich der DIN-Normung vorgeworfene Regulierungswahn stammt gar nicht vom DIN-Institut. Für derlei Blödsinn finanzieren wir eine andere Behörde: die EU-Bürokraten. DIN ist nur für den bundesdeutschen Schwachsinn zuständig.   Der in der Überschrift genannte Begriff klingt nach der international gültigen Buchstabiertafel wiederum ganz anders: India, Delta, India, Oscar, Tango, Echo, November
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