Gibt der Präsident jetzt auch noch den Heiland?
Wie ernst muss oder kann man einen Typen nehmen, der zwar geschäftlich unglaublich erfolgreich
ist, aber menschlich so gut wie alles vermissen lässt, was schon von einem früheren Vertreter der
Menschenaffen (nicht einmal von einem Homo sapiens) erwartet werden konnte – und bei einem
aktuellen Präsidenten allemal Voraussetzung sein sollte?
Dass Trump sich nicht scheut, seine vermeintliche Allmacht vor allem allen Untergebenen gegenüber
auszuspielen, beweist er immer wieder: Journalistinnen, die ihm nicht die seiner Meinung nach
gebotenen Fragen stellen, nennt er in aller Öffentlichkeit dumm. Seinen Präsidenten-Kollegen aus
der Ukraine flegelte er in seinem Büro vor den Augen der Welt-Öffentlichkeit in einer Weise an,
dass keiner sich hätte wundern dürfen, wenn der die Bemerkung über seine Kleidung passenderweise
mit einer ordentlichen Ohrfeige beantwortet hätte. Wie man in Bayern sagt: Da wäre der
Watschenbaum umgefallen.
Und jetzt dieser Fund im Internet:
Nobody knows God better than me. And nobody ist loved more by God than me.
Niemand kennt Gott besser als ich. Und niemanden liebt Gott mehr als mich.
Bei aller Erfahrung, zu welchen Ungeheuerlichkeiten der „mächtigste Mann“ der Welt fähig ist, so
verblüfft der Spruch in Englisch doch sehr. Sollte es wirklich einen solchen Schwachkopf geben, der
derart von sich überzeugt ist? Eine KI-Anfrage lieferte die interessante Antwort – gleichwohl ohne
Quellenangabe: „Dieses Zitat stammt von Donald Trump. Es fasst seinen extremen Personenkult und
die starke stilisierte Verehrung durch Teile seiner Anhängerschaft zusammen. Auch wenn solche
überspitzten Formulierungen oft als Internet-Memes kursieren, spiegeln sie Trumps Hang zur
Selbstüberhöhung und seinen Anspruch, eine gottgesandte Führungsfigur zu sein, wider.“ Selbst KI
als das geistlose Produkt menschlicher Erfindungskunst kann schon so abstrahieren, dass es
unterscheidet zwischen tatsächlich Gesagtem und einer inhaltlichen Zuschreibung.
Den völlig ungehobelten Patron im Weißen Haus ficht keinerlei Kritik an. Verstöße gegen frühere
Rechte und Gesetze sind überholt, er ist selbst an deren Stelle getreten und hält sich nicht nur für
das personifizierte Recht und Gesetz. Nein, mittlerweile hat er die irdischen Gefilde verlassen und
höhere Sphären erreicht. Die von ihm selbst lancierten Bilder von sich als Heilbringer à la Jesus
haben nicht nur gläubige Christen erzürnt. Sich derart abgehoben zu zeigen, führt normalerweis
ohne großartige weitere Untersuchungen in eine weiße Jacke und mit auf dem Rücken gebundenen
Händen schnurstracks hinter die Gitter einer geschlossenen Krankenanstalt.
Absolut passend bescheinigt Satire-Blatt „Postillion“ dem präsidialen Golf-Spieler eine so kaum zu
erwartende Bescheidenheit: "Natürlich vergleiche ich mich nicht mit Jesus, weil ich viel besser bin
als der Typ." Nein, die Rolle des Heilandes, des Gottessohnes, würde ihm niemals gerecht. Selbst
oben in Himmel müsste er on the Top.
Kann man es da jemandem verdenken, dass er sich unter der Leitung derartiger Figuren, die sich
mehr um den eigenen Geldspeicher als um das Wohlergehen der Welt kümmern, in das Mittelalter
zurückträumt, als solche Problemfälle noch in den Flammen lodernder Scheiterhaufen gelöst wurden
oder in Blutbädern von Revolutionen?