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Die Wähler lassen sich nicht mehr alles gefallen Die Analysten überschlagen sich mit ihren Einschätzungen, warum Dieter Reiter seinen schönsten Arbeitsplatz in Deutschland, den Chefsessel im Rauhaus am Münchner Marienplatz, verloren hat. Ich bin sicher, es hat nichts mit der (zugegeben ebenso überflüssigen wie dümmlichen Nennung des berüchtigten „N-Wortes“ (für Neger nicht für Nazi) zu tun. Und auch nicht damit, dass Reiter mehrere Jahre für seine Arbeit beim FC Bayern neben den Einkünften als Chef der größten deutschen Stadt, die nicht zugleich ein Bundesland ist, von rund 220.000 Euro pro Jahr noch ein Zubrot von 20.000 Euro jährlich kassiert hat. Zum Vergleich: Die Vorstände von Sparkassen bekommen deutschlandweit im Schnitt rund 400.000 – und bei den 80 größten Sparkassen sacken 90 Personen jeweils über eine Million ein. Selbst über solche Honorare wird in der Branche gelacht, die angeblich Sport betreibt, deren Firmen aber Großunternehmen der Unterhaltungsindustrie sind. Nein, daran wird es nicht gelegen haben. Schließlich durfte man – was Reiter im letzten vergeblichen Versuch einer Rechtfertigung ausdrücklich erwähnte – unterstellen, dass selbstverständlich sämtliche Zahlungen an den OB und sicher auch alle sonst vom FCB ausgegebenen Gelder fein säuberlich dem Finanzamt gegenüber deklariert wurden. Dafür steht schon der „Pate vom Tegernsee“, der über einschlägige Erfahrungen in Steuerdingen verfügt und während der Verbüßung seiner Haftstrafe wegen Hinterziehung lange genug Zeit hatte, in sich zu gehen, um sich zu bessern. Geschadet hat es ihm im Ansehen seiner Fans kaum. Auch dem durchaus beliebten Dieter Reiter hätte man nachgesehen, dass er sich seine Bemühungen für den FCB als das Fußball-Aushängeschild schlechthin mit einem besseren Trinkgeld hatte vergüten lassen. Aufgestoßen sein dürfte Reiter und vielen anderen von ihren Ämtern Abgewählten eher die Großkotzigkeit, mit der manche Spitzenleute sich wie selbstverständlich über Recht und Gesetz hinwegsetzen und Zuständige – in dem Fall den Stadtrat - nicht einmal über die Nebeneinnahme informieren, obwohl das absolut eindeutig gesetzlich festgelegt ist. Da äußert sich eine Überheblichkeit, die viele Wähler nicht bereit sind, länger zu dulden. Irgendwie erinnert das an den Fall eines Landrates, der in „seiner“ Stadt den Bauantrag für seine Villa stellte, dann aber doch sehr deutlich von den genehmigten Planungen abwich. Der im dienstlichen Umfeld seines Amtes ob seiner hochnäsigen Art auch „Sonnenkönig“ genannte Wahlbeamte bekam Gegenwind, der aber (leider) nicht in einer Verurteilung mündete. In einem seltenen Moment von Weitsicht zog er den richtigen Schluss und verkündete rechtzeitig, bei der nächsten Wahl nicht mehr zu kandidieren. Sein geplanter (oder inzwischen sogar erfolgter) Umzug nach Bayern dürfte wenig ändern: Auch da neigt sich die Zeit dem Ende zu, dass die Einwohner sich als Untertanen fühlen.
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