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Die FDP vertritt als neue „gelbe Gefahr“ die Chinesen Wenn von einem Pejorativ die Rede ist, dann meint die Sprachwissenschaft damit ein Wort, das sich von einer positiven Bedeutung in eine neutrale oder von einer neutralen in eine negative Bedeutung gewandelt hat. Während früher „billig“ positiv besetzt war (etwas ist recht und billig), wird das Wort heute eher abwertend gemeint. Eine ähnlich abwertende Bedeutung hat das Wort „Dirne“ erfahren. Damit wurde früher allgemein ein junges Mädchen bezeichnet, während es heute meist für Hure steht. Von einem Pejorativ kann man auch dann sprechen, wenn sich die ohnehin negative Bedeutung eines Begriffes auf der Werteskala noch einmal verschiebt, nach rechts sozusagen. So eine Bedeutungsverschiebung ins noch Negativere kann man an der Bezeichnung „gelbe Gefahr“ festmachen. „Gelbe Gefahr“ stand früher für China, wo einerseits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts während der Opiumkriege 20 bis 30 Millionen Menschen ihr Leben verloren. Andererseits wurde in die Staaten eingewanderten Chinesen die Schuld an der wirtschaftlichen Misere zugewiesen, weil sie sich als billige Arbeitskräfte verdingten und manche Branchen komplett übernahmen. Heute sollten wir die „Gelbe Gefahr“ sehr viel näher sehen: Gelb steht – nicht erst seit Hans-Dietrich Genscher als einer der letzten wahrhaften Liberalen die Farbe mit seinen Pullundern bekannt machte – für die FDP. Und als eine Gefahr muss sie angesehen werden, seit sie mehr für hemmungslosen Neokapitalismus steht denn für Freiheitsrechte. Das heißt, sie steht schon für die Freiheit: des unbegrenzten Rasens zum Beispiel oder eines endlosen Wirtschaftswachstums. Wenn schon der Spiegel, dessen Gründer Rudolf Augstein das Nachrichtenblatt zwar links schreiben ließ, aber selbst für die FDP im Bundestag saß, die Lindner-Truppe in einem Online-Text als „Gelbe Gefahr“ tituliert, dann ist es weit gekommen. An der Feststellung ändert sich auch nichts dadurch, dass für die Bezeichnung Nikolaus Blome als Autor zeichnet. Der passte zwar inhaltlich gut zum Springer-Verlag und wäre besser bei Bild geblieben. Allerdings gelingen ihm gelegentlich ausgesprochen reizvolle Formulierungen. Zum Beispiel in dem angesprochenen Artikel: „Schließlich hat jede Partei eine Saskia Esken, bei der FDP heißt sie halt Wolfgang Kubicki. Den Narrensaum einer Partei kauft man immer mit, wenn es in Koalitionen geht.“ Wenn sich eine richtige Männerfreundschaft ankündigt, dann klingt das anders. Aber es reicht nicht, wenn ein einsamer Rufer in der Wüste die FDP als „Gelbe Gefahr“ beschreit. Das wird nämlich (leider) mehr als wieder dadurch wettgemacht, dass sich das Fähnlein im Wind auf viele Verbindungen in andere Medien verlassen kann. Um nur wenige aufzuzählen: Bei einer Zeitung sitzt ein einflussreicher FDP-Mann an der Spitze des Aufsichtsrates. Mit der Chefredakteurin eines anderen Blattes war derjenige FDP- Vorsitzende neun Jahre verheiratet, von dem vor allem der Spruch in Erinnerung bleibt: „Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren.“  Und dann gibt es da noch den Gründer eines Blattes, das sich einmal als Konkurrenz für den Spiegel verstand, der gleichzeitig als Erfinder eines Stammtisches gilt, dem er sonntags im Bayerischen Fernsehen vorsaß. Bis er da aufhören musste, als er 2018 für die FDP in den Landtag, das Maximilianeum, einziehen wollte. Das gelang ihm nicht nur mit fast 82 Jahren – er durfte als Alterspräsident sogar die erste Sitzung eröffnen.
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