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Die Deutsche Rentenversicherung und “postcon” Die Geschichte nahm ihren Lauf, nachdem ich im Briefkasten einen Umschlag der (DRV) Deutschen Rentenversicherung gefunden hatte. Nicht von der Deutschen Post geliefert, sondern von einem Mitbewerber, nämlich von "postcon". Dieser als GmbH firmierende Briefdienstleister ist nach eigener Auskunft auf Geschäftspost spezialisiert. Weil schon einmal eine (aller Wahrscheinlichkeit nach ebenfalls höchst vertrauliche) Nachricht von der DRV auch fälschlicherweise in meinem Briefkasten gelandet war, reichte mir die Schlamperei. Da weder die Postkonkurrenz noch die Rentenkasse eine spezielle Mailadresse für Reklamationen angeben, habe in beiden Unternehmen jeweils die Presseabteilung angeschrieben mit der Bitte, meine Beschwerde mit dem nötigen Nachdruck formuliert – und auch eine publizistische Auswertung in Aussicht gestellt. Schon zwei Stunden später kam eine Mail von der DRV-Rheinland. Darin entschuldigte sich der "zuständige Dezernent" damit: "Auf die Zusteller unseres Postdienstleisters haben wir keinen Einfluss. Ich stimme Ihnen jedoch vollumfänglich zu, dass eine Fehlzustellung, wie vorliegend geschehen, schon aus datenschutzrechtlichen Gründen höchst problematisch ist und nicht erfolgen darf." Er wolle "den kritischen Kontakt zu unserem Postdienstleister suchen und den Sachverhalt aufklären". In einem anschließenden Telefongespräch haben wir uns auf einen Termin geeignet, wann die fehlgeleitete Post bei mir abgeholt werden konnte: "Ich schicke Ihnen meinen Fahrer, dem sie bitte den Brief übergeben." Pünktlich fuhr ein dunkler Audi der Oberklasse mit dem Kennzeichen D-RV-.. vor, und der Fahrer nahm den vertraulichen Umschlag an sich. Damit schien die Arbeit der Deutsche Rentenversicherung zunächst erledigt. Man dürfte annehmen, dass es bei der postcon auch zumindest für eine Entschuldigung gereicht hätte, notfalls mit einem der üblichen Blabla-Briefe aus Textbausteinen – zumal es die zweite Fehlleitung von Unterlagen der Deutschen Rentenversicherung allein in meinen Briefkasten war. Man wagt sich kaum vorzustellen, wie hoch die Fehlerquote bundesweit bei über 20 Millionen Rentnern ist. Aber eine Entschuldigung? Weit gefehlt. Obwohl der zuständige Dezernent – so hatte ich seine Äußerung jedenfalls verstanden – den Verantwortlichen beim Briefverteiler ordentlich die Leviten lesen wollte. Besonders heftig kann das nicht gewesen sein, zumindest nicht nachhaltig. Heute kam nämlich eine Mail der Abteilung "Kundenservice" der "postcon". Darin informierten sie mich, dass morgen ein Zusteller die Sendung im Laufe des Vormittags abholen würde. Morgen, das ist der zehnte Tag, nachdem der Brief schon abgeholt wurde. Fehler können überall passieren. Aber auch in diesem Fall gilt die Weisheit: Der Fisch stinkt von oben. Es drängt sich massiv der Eindruck auf, dass die teilweise Privatisierung der Briefzustellung qualitativ keine Verbesserung gebracht hat. Und ob es letztlich eine reale Ersparnis bringt, wenn die öffentliche Hand immer den billigsten Anbieter nimmt, darf nicht nur, sondern muss bezweifelt werden.
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