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Der Schwanz wackelt wieder mit dem Hund Viel schlimmer hätte es nicht kommen können, jedenfalls im Gesamtergebnis: Eine der ekeligsten Lobbyisten-Truppen hat sich zum Königsmacher aufgeschwungen. Die Rolle ist für die früher einmal außerordentlich respektablen Liberalen nicht neu. Sie haben als Schwänzchen mal mit dem roten Hund gewedelt, mal mit dem schwarzen – je nachdem, wo sie personelle Vorteile sah. Das dürfte jetzt wieder der Fall sein. Und um sein Ziel zu erreichen, ist dem von der Spitze grinsenden Porsche-Fahrer durchaus zuzutrauen, dass er den Grünen sogar ein Tempolimit zugesteht. Die Frage ist, ob der Bundeshaushalt bei ihm in guten Händen läge. Aber die Bundestagswahl hat nicht nur schlimme Ergebnisse gebracht, sondern auch einige erfreuliche. So hat der frühere Ober-Schlapphut kein Direktmandat für die Schwarzen gewonnen und war zum Glück auch nicht über die Liste abgesichert. Ob er als Kandidat für die blau angestrichenen Braunen besser abgeschnitten hätte, ist schwer zu sagen – aber sicher hätte der Rechtsaußen besser in das Umfeld gepasst. Andere Ergebnisse waren bei den Erststimmen ebenfalls sehr erfreulich. Die angebliche schwarze Nachwuchshoffnung hat in seinem Wahlkreis zwar mehr als zehn Prozentpunkte gegenüber vor vier Jahren verloren, steht aber (leider) auf dem ersten Platz der Landesliste in Mecklenburg-Vorpommern. Hoffentlich wird die heftige Abstrafung allgemein als Strafe dafür angesehen, dass sich ein Politiker nicht für ein Unternehmen einsetzen sollte, bei dem er gleichzeitig im Aufsichtsrat sitzt und von dem er Aktien besitzt. Auch wenn das nicht direkt verboten sein sollte – im höchsten Maße unanständig ist es zumindest. Im Saarland unterlag der gewichtige Minister der Schwarzen für die Wirtschaft dem kleinen Darsteller des Außenministers aus den Reihen der roten Fraktion. Der Kanzleramtsminister hat ebenfalls seinen Wahlkreis verloren. Allerdings ist der Job ein sicheres Sprungbrett ins große Geld. Von da aus schaffte es sein Vorvorgänger doch tatsächlich in den hochdotierten Vorstand der Deutschen Bahn AG. Ganz schlimm sind die Ergebnisse für den Gesundheitsminister. Der hat seinen Wahlkreis ebenso direkt gewonnen wie der sauerländische Bierdeckelakrobat, der sich trotz zweier Flieger nicht den Reichen, sondern der gehobenen Mittelschicht zurechnet. Schlimm sind die Ergebnisse nicht für die beiden Kandidaten, aber um so schlimmer für das Volk. Sogar Maut-Andy darf weiter Abgeordneten-Diäten beziehen: Der Denkzettel mit dem Verlust von fast 18 Prozentpunkten, mit denen er sogar noch schlechter abschnitt als seine Partei, die sich selbst ebenso als christlich wie sozial bezeichnet, war bei weitem nicht deutlich genug. Die im Landwirtschafts-Sektor dilettierende Weinkönigin hat leider nur ihren Wahlkreis verloren, thronte aber als Landesvorsitzende auf dem ersten Platz der Landesliste und rutscht deshalb als eine von zwei Kandidaten von der Reserveliste in den Bundestag.
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