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Der Professor schiesst zeitlich genau passend Da ist mal wieder ein Plagiats-Jäger fündig geworden. Allerdings ist sein Erfolg kein besonders bemerkenswerter: Erstens war das Stück Wild – um in der Jägersprache zu bleiben – schon angeschossen und hatte sich schwer getroffen schon vom nicht ganz koscher erworbenen Doktor-Titel getrennt. Zweitens handelt es sich beim Grund für den jetzt gesetzten Fangschuss lediglich um eine Masterarbeit. Deren Wert verhält sich zur Dissertation – wiederum in der Sprache der Waidmänner – ungefähr wie ein Kaninchen zu einem Stück Rotwild. Aber auf derlei Feinheiten kam es dem Herrn Professor, der sich – sicher auf Computer gestützt - auf die Pirsch begeben hatte, eh nicht an. Sein Ziel scheint es eher gewesen zu sein, dem waidwunden Geschöpf den Todesstoß möglichst kurz vor dem nächsten Wahltermin zum 19. Berliner Abgeordnetenhaus zu versetzen. Der ist zusammen mit der Wahl des Bundestages am 26. September 2021. Da ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, jeden vermeintlichen Dreck über die Kandidatin zu kübeln, die Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden möchte. Wenn dem sicher überaus ehrenwerten und 1970 in eben dieser Bundeshauptstadt geborenen und mit Doktor- und Professor-Titel geschmückten Sprachwissenschaftler im tiefsten Herzen daran gelegen gewesen wäre, etwas dafür zu tun, die Wege zu akademischen Meriten sauberer zu halten, dann hätte er zumindest einen Teil seiner Kritik an seine Kollegenschaft richten müssen. Schließlich gehören zum Bescheißen – und um nichts Anderes handelt es sich, wenn jemand eine angeblich eigene Arbeit aus Versatzstücken anderer zusammengesetzt hat – immer zwei: derjenige, der bescheißt, und derjenige, der das durch mangelnde Aufsicht oder auch eigene Unzulänglichkeit zulässt. Während der bescheißende Betrüger die Folgen seines Tuns zu tragen hat – zumindest dann, wenn er erwischt wird –, kommt derjenige, der seiner Aufsichtspflicht nicht oder jedenfalls nicht im ausreichenden Maße nachgekommen ist, ohne jeden Kratzer in seiner akademische Vita davon. Das ist im allerhöchsten Maße ungerecht und allenfalls dann zu tolerieren, wenn irgendwelche selbsternannten Hobby-Plagiats-Detektive ihrem zwielichtigen Hobby nachgehen. Wenn aber ein promovierter Professor lediglich das Bescheißen bemängelt, aber nicht die Fehler „seiner“ Akademiker-Seite kritisiert, dann kann das einen ausgesprochen seltsamen Eindruck erzeugen. Den hatte – jedenfalls bei mir – der Herr Professor schon dadurch hervorgerufen, dass er vor vier Jahren eine Streitschrift publizierte zum Thema des politisch korrekten Sprachgebrauchs mit dem Titel „Eine Frage der Moral“. Zwei Jahre später forderte dieser „Sprachwissenschaftler“ die Umbenennung des im Norden Schleswig-Holsteins gelegenen Ortes „Mohrkirch“. Dabei leitet sich der Ortsname gar nicht von dem Wort „Mohr“ für einen dunkel pigmentierten Menschen ab, was manche für einen politisch unkorrekten Ausdruck halten, sondern aus dem dänischen Mår für Marder. Ausgerechnet dieser Professor Dr. Anatol Stefanowitsch schrieb zur Masterarbeit von Franziska Giffey: „Einfachste Grundsätze des wissenschaftlichen Arbeitens wurden verletzt.“
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