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Da heulen die Stimmen des Kapitalismus auf Joe Biden steht wahrhaftig nicht im Verdacht, ein Anhänger des Kommunismus und eventueller Enteignungen zu sein. Wenn ausgerechnet der US-Präsident aber ein deutliches Zeichen für Menschlichkeit zeigt und sich für eine vorübergehende Freigabe der Patente auf Impfstoffe einsetzt, dann zeigt sich bei vielen die wahre Gesinnung. Wer in dem Zusammenhang die Befürworter der Patentfreigabe eine "Koalition der Gutmenschen" nennt, wenige Sätze vorher aber noch von "christlicher Verantwortung" schwadroniert hatte und mit dem Wort "Enteignung" Stimmung zu machen versucht, den kann man nur aus seinem Katalog der ernst zu nehmenden Menschen streichen. Angeblich lediglich "marktliberale" Meinungsmacher, hinter denen sich in Wirklichkeit eiskalte Vertreter eines hemmungslosen Kapitalismus verstecken, heulen gleich auf und sehen die Wirtschaft in Gefahr. Dabei handelt es sich bei dieser Branche um diejenige, aus der ein Pharmakonzern genug Geld angehäuft hatte, durch den Ankauf eines höchst umstrittenen Giftmischers einen mehr als zweistelligen Milliardenbetrag leichtsinnig in den Sand zu setzen. Es bedarf keines Blickes in die Glaskugel für die Prognose, dass am Ende der Pandemie kein anderer Wirtschaftszweig sich auch nur annähernd die Kassen so gefüllt haben wird wie Pharmakonzerne. Es gibt reichlich Gründe, Kritik an Amerika zu äußern. Da muss man gar nicht lange suchen. Das fängt bei den vielen Kriegen an, die sie nicht aus Menschlichkeit geführt haben, sondern aus knallharten eigenen Interessen, vor allem den Zugriff auf Öl und andere Rohstoffe zu wahren. Und das hört bei pöbelndem Geschrei dagegen, dass sich Europa und vor allem Deutschland durch die Pipeline leichtsinnig von russischem Gas abhängig mache noch längst nicht auf. Auch da geht es den Amerikanern darum, den eigenen Fracking-Dreck teuer über den Atlantik zu schippern und uns zu verkaufen. Aber gegen die Freigabe der Patente ist bei aller berechtigten Kritik am sonstigen Verhalten der Weltmacht beim besten Willen nichts auszusetzen. Im Gegenteil: Wenn jemand deutlicher als andere - heimische – Verantwortungsträger die Pandemie als außergewöhnlich erkannt hat und mit diesem in der Tat ungewöhnlichen Mittel gegen die weltweite Gefahr angeht, dann ist das aller Ehren wert. Schließlich soll nicht der Kapitalismus grundsätzlich abgeschafft, sondern nur die Rettung möglichst vieler Menschen vor dieser globalen Jahrhundertkrise ermöglicht werden. Natürlich schreien die betroffenen Firmen auf, weil sie ihre als Gelddruckmaschinen funktionierenden Impfstoff-Abteilungen in Gefahr sehen. Die Gewinne aus dem Verkauf seien zwingend nötig, um weiter in Forschung zu investieren. Das liest sich fast so, als wäre die Pandemie aus wirtschaftlichen Gründen gerade nötig gewesen. Die Wahrheit ist, dass auch jetzt schon ein Großteil aller Forschung vom Steuerzahler finanziert wird. Aber die Zahl der gegen den amerikanischen Vorschlag argumentierenden Schreiber ist gewaltig, vermutlich übermächtig. Dabei erkennt man nicht, ob sie aus eigenem Antrieb ihre seltsamen Meinungen vertreten, die oft auf Kenntnisse lediglich aus dem ersten oder zweiten Semester BWL schließen lassen.
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