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Bewährungsstrafe für Russisch-Roulette-Raser In einem solchen Fall sind selbst Agnostiker und sogar Atheisten versucht, Gott anzuflehen, den Staatsanwalt unbedingt Berufung einlegen zu lassen: In Düsseldorf hat ein Amtsgericht den Verursacher eines Unfalls, der einem die Haare zu Berge stehen lässt, zu einem Jahr auf Bewährung und Führerscheinentzug verurteilt. Um den Lappen kann sich der 29-Jährige allerdings schon nach drei Monaten erneut bemühen. Der Verhandlung war zwei Jahre zuvor ein Unfall vorausgegangen, bei dem der jetzt Verurteilte bei hohem Tempo nachts gegen zwei Uhr durch die Innenstadt der Landeshauptstadt raste. Während er eine Ampelkreuzung bei Rot noch ohne Unfall überqueren konnte, krachte er ein Stück weiter – wiederum bei Rotlicht – ungebremst in ein Taxi. Zum Glück ging der Zusammenstoß für alle Insassen der beiden Fahrzeuge einigermaßen glimpflich aus. Beim Eintreffen der Polizei war der Fahrersitz des Verursacherfahrzeugs leer. Im Prozess ließ der Angeklagte über seine Anwältin mitteilen, dass er das Auto gefahren habe, aber mehr zum Unfall und seinen Hintergründen nicht sagen wolle. Auch wenn die Umstände und das Verhalten des 29-Jährigen nur damit zu erklären sind, dass da jemand Russisch Roulette gespielt hat, sprach ihn die Richterin nur wegen „grob verkehrswidrigen Fahrens sowie fahrlässiger Körperverletzung“ schuldig und verurteilte ihn zu einem Jahr Bewährungsstrafe. Dabei kann in einem solchen Fall keine Rede von „fahrlässig“ sein. Wer so bei Rot über Ampeln brettert, der geht ganz bewusst das Risiko ein, dass Menschen verletzt oder gar getötet werden. „Bedingter Vorsatz“ heißt das in der Sprache der Juristen, die gewöhnlich  derart breite Interpretationen erlaubt, die in möglichst vielen weiteren Verfahren geklärt werden müssen – aber in dem Fall erfreulich eindeutig ist. Dass in Amtsgerichten nicht die Crème de la Crème des – manchmal durchaus – ehrbaren Standes der Juristen sitzt, dürfte einleuchten. Schließlich nehmen sie die unterste Stufe ein, während Richter an Gerichtshöfen ganz oben residieren. Der Unterschied ist ungefähr wie der zwischen Kindergarten und Universität. Jedenfalls einkommenstechnisch. Da fragt man sich, was eine Richterin wohl studiert haben könnte, die zu einem solchen Urteil findet. Manche vermuten vielleicht: irgendwas mit Batik, speziell für rothaarige Linkshänder im Licht der untergehenden Sonne bei Vollmond. Aber vorsichtig mit solchen Verdächtigungen: Die kann man zwar im stillen Kämmerlein denken, sollte sie aber niemals äußern. Das könnte als Beleidung gewertet werden und eine dafür verhängte Strafe unter Umständen höher ausfallen als die für einen geisteskranken Raser, der es verantwortungs- und gewissenlos darauf ankommen lässt, Mitmenschen zu verletzen oder gar zu töten.
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