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Bei den Olympischen Spielen folgt Skandal auf Skandal Schon nach dem ersten Tag hatten die Medien für ihre Berichterstattung richtig Stoff: Ein geistig ganz offensichtlich völlig unterbelichteter algerischer Judoka ist zum Kampf gegen einen Israeli nicht angetreten, weil er sich laut eigener Aussage nicht „die Hände dreckig machen“ wollte. Jetzt hat sich ein zweiter „Kämpfer“ aus dem Sudan dem Irrsinn angeschlossen. Keine Frage – eine solche abscheuliche Aussage sollte zu einem sofortigen und lebenslänglichen Ausschluss von allen „Sport“-Wettbewerben sorgen. Natürlich ist ein derartiger Antisemitismus kein Bagatelldelikt, aber er ist keinen Deut schlimmer als auch jede andere Form von Rassismus. Es reicht nicht, wenn man vor den Olympischen Spielen das Motto „schneller, höher, weiter“ nur um das Wörtchen „gemeinsam“ ergänzt. Man muss dann bei der Verfolgung von Rassismus auch konsequent sein und ihn auf allen Ebenen und völlig ungeachtet eventuell betroffener Personen verfolgen. Und vor allem reicht eine solche Verbalkosmetik nicht bei einem als Sportorganisation getarnten weltweit tätigen Finanzunternehmen, das von einem vielfach, aber leider vergeblich kritisierten Funktionär und Multi-Lobbyisten präsidiert wird. FDP-Mitglied und Jurist Thomas Bach hat Verbindungen zu vielen Groß-Firmen, die im Ausland Geld verdienen. Das fängt bei Adidas an und hört bei Siemens noch lange nicht auf. Durchaus nicht alles ehrenamtlich. Ein Beratervertrag mit Siemens brachte beispielsweise allein für 2008 die stolze Summe von 400.000 Euro – plus 5.000 Euro Tagesspesen. Der Tausendsassa mit deutschem Diplomatenpass (für den es keine Begründung gibt) war zudem von 2006 bis 2013 Präsident der Ghorfa. Dabei handelt es sich um einen „Dienstleister“ der im Auftrag der arabischen Botschaften prüft und bescheinigt, ob Produkte keine Teile aus Israel enthalten. Da muss die Frage erlaubt sein, ob es – moralisch gesehen – überhaupt eine Entfernung gibt zwischen einem einfachen Judoka, der sich die Hände nicht an einem Israeli schmutzig machen will, und einem IOC-Präsidenten, der den Arabern bestätigt, wenn Waren keine Einzelteile aus Israel enthalten. Sind nicht beide Erscheinungsformen Ausdruck von besonders widerlichem und primitivem Rassismus? Obwohl: Rassismus ist grundsätzlich widerlich und primitiv – da ist das „besonders“ völlig überflüssig. Nachfolger von Bach bei Ghorfa ist seit 2013 übrigens der Kaufmann Peter Ramsauer. Auch so ein Profi-Lobbyist, der im vergangenen Jahr neben seinem „hauptamtlichen“ Job als CSU- Mitglied im Bundestag noch Zeit fand für mehr als zwei Dutzend Nebentätigkeiten, die ihn mit einem Jahreseinkommen von einer runden Million zusätzlich zu den Abgeordnetendiäten die Bundestags-Spitzenreiter-Einkommensliste anführen lassen. Aber bleiben wir bei den Olympischen Spielen. Ohne auf die vielen Vorwürfe einzugehen, die der interessierte Leser problemlos recherchieren kann, muss zwingend festgestellt werden, dass nicht erst das Verhalten der Judokas skandalös war, sondern sowohl die zum Himmel schreiende Art der vierjährlichen Mammut-Geldverschwendung als auch die Umstände, unter denen Spielorte, Werbeverträge und Ämter ausgekungelt werden und die Veranstaltung des Größenwahns selbst in der Corona-Zeit durchgepeitscht wird.
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