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38 Mio. Steuern hinterzogen – Finanzamt merkt nix Da fasst man sich gleich mehrmals an den Kopf: Einmal wegen der unglaublichen kriminellen Energie, die einen niederrheinischen Autohändler 2687 Wagen „erfinden“ ließ, die es in Wirklichkeit nie gegeben hatte. Die Geister-Autos exportierte der ebenso findige wie windige Typ in den fernen Osten – vorwiegend nach Japan. Danach kassierte der feine Herr Umsatzsteuerrückerstattungen im sechsstelligen Bereich (zwischen 120.000 und 160.000 Euro). Und zwar: Monat für Monat. Wer den Angeklagten vor Gericht erlebte, der konnte nur staunen über die Chuzpe, die der ehemalige stellvertretende Landrat und Ratsherr seiner Heimatstadt an den Tag legte. Schon Anfang des vorigen Jahres war der Kommunalpolitiker der früheren 3-Punkte-Partei, die jetzt zum Glück nur noch bei drei Prozentpunkten herumkrebst, „aus gesundheitlichen und persönlichen Gründen“ von allen Ämtern zurückgetreten. Zu dem Zeitpunkt ließen sich die Ermittlungen gegen ihn wohl nicht länger unter der Decke halten. Vor Gericht gab er einen ob seiner eigenen Unverfrorenheit zerknirschten und „als guter Christ“ reuigen Sünder, der aber „mit dem Geld viel Gutes getan und gespendet“ haben will. Quittungen konnte der Gut-Mensch dafür nicht vorlegen. Starkoch Alfons Schuhbeck hatte zwischen 2009 und 2015 die Kassen in seinen Restaurants manipuliert oder manipulieren lassen, so insgesamt rund 2,3 Millionen Euro Steuern hinterzogen und wird dafür noch heute durch alle Gazetten und über alle Bildschirme gezerrt. Welche Umstände ähnliche „Öffentlichkeitsarbeit“ bei dem Politiker (trotz des mehr als 15-fachen „Ergebnisses“) verhinderten, ist nicht bekannt, allenfalls zu erahnen. Vielleicht genoss und genießt er einen besonderen Bonus als halb-prominenter Politiker, als Träger eines Bundesverdienstkreuzes, als „Bekannter“ von Michail Gorbatschow und von Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI, als Ehrenritter der Malteser sowie als Laien-Richter an genau dem Landgericht, vor dessen Schranken er jetzt stand. Das zweite Mal fasst man sich an den Kopf, wenn ein Vertreter des Finanzministeriums vor Gericht ausführt, dass es bei dem Autohändler im fraglichen Zeitraum drei Steuerprüfungen gegeben hatte, von denen die ersten beiden ergebnislos verliefen. Erst bei der dritten fielen die sagenhaften monatlichen „Zuwendungen“ des Finanzamtes auf. Nun kann es sein, dass die zwei ersten Prüfungen in schwierigen Zeiten stattgefunden haben – zum Beispiel Karneval (was in der Stadt mit der „erleuchteten Monduniversität“ eine ganz besondere Rolle spielt) oder Kirmes -, in denen die Gehirne vom Restalkohol noch so vernebelt waren, dass niemand auf die Idee kam, auch nur ein einziges der vielen Automobile durch einen simplen Anruf beim Hersteller zu überprüfen. Dann wäre nämlich aufgefallen, dass der Autohändler die Fahrgestellnummern frei erfunden und in selbst gefälschte Briefbogen als Kaufbeleg eingesetzt hatte. Muss man verstehen, warum der Herr so lasch geprüft wurde – und warum den „Spürnasen“ der ersten beiden vergeblichen Prüfungen unbehelligt bleiben?
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